Netzwerken unter Managerinnen - Einblicke der Präsidentin der "Managerinnen OWL" Isabel Nitz - #33
Interview mit Isabel Nitz über die Managerinnen OWL, wirksames Netzwerken, Chancengerechtigkeit, weibliche Führung, Vereinbarkeit und den Mut, Macht als Gestaltungskraft zu verstehen
13.04.2026 42 min Elisabeth Tophinke
Zusammenfassung & Show Notes
Was macht ein starkes Frauennetzwerk wirklich aus? Elisabeth Tophinke spricht mit Isabel Nitz, Präsidentin der Managerinnen OWL, über Sichtbarkeit und Wirksamkeit von Frauen in Führung, Chancengerechtigkeit, Vereinbarkeit, moderne Führungskultur und die Frage, warum Netzwerke weit mehr sein können als bloßer Austausch.
👤 Gast
Isabel Nitz
Isabel Nitz ist Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der involve GmbH, einer Beratung für die Transformation international ausgerichteter Mittelständler. Außerdem ist sie Executive Coach. Davor war sie in verschiedenen Führungsrollen im Vertrieb bei Windmöller und Wincor Nixdorf tätig. Seit knapp einem Jahr ist sie Präsidentin der Managerinnen OWL. Zusätzlich engagiert sie sich als Mentorin für Nachwuchsführungskräfte.
Isabel Nitz ist Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der involve GmbH, einer Beratung für die Transformation international ausgerichteter Mittelständler. Außerdem ist sie Executive Coach. Davor war sie in verschiedenen Führungsrollen im Vertrieb bei Windmöller und Wincor Nixdorf tätig. Seit knapp einem Jahr ist sie Präsidentin der Managerinnen OWL. Zusätzlich engagiert sie sich als Mentorin für Nachwuchsführungskräfte.
🧭 Worum es in dieser Folge geht
- Was die Managerinnen OWL ausmacht und wofür das Netzwerk steht
- Warum Frauennetzwerke für Sichtbarkeit, Unterstützung und Wirksamkeit so wichtig sind
- Wie Isabel Nitz Unternehmertum, Ehrenamt und Privatleben organisiert
- Welche strukturellen Hürden Frauen in Führung noch immer begegnen
- Warum Führung menschlicher, klarer und vielfältiger werden darf
- Weshalb Macht auch als Gestaltungsmacht verstanden werden kann
🔑 Key Takeaways
- Sichtbarkeit reicht nicht – entscheidend ist Wirksamkeit
- Frauen in Führung sind ein wirtschaftlich relevanter Faktor
- Gute Führung basiert auf Vertrauen, Klarheit und Kommunikation
- Vereinbarkeit ist kein Frauenthema, sondern betrifft alle
- Macht bedeutet Gestaltung und Selbstermächtigung
🧠 Phrasenverdrescher
„Ich wollte neulich meine Mitarbeiterin befördern, aber die wollte lieber Zeit für ihre Familie haben.“
📚 Empfehlungen
- Dokumentation über Frances Hesselbein „Defining Moments“
- Frances Hesselbein: „My Life in Leadership: The Journey and Lessons Learned along the Way“
- Frances Hesselbein: „Hesselbein on Leadership“
-
„Beklaute Frauen“ – Leonie Schöller
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Anfragen für Key-Notes, Feedback und eure Themenwünsche könnt ihr mir sehr gerne per E-Mail schicken: elisabeth@workliferebels.de
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Vielen Dank und viele Grüße, Elisabeth
Über den Host Elisabeth Tophinke:
Elisabeth Tophinke ist Führungskraft, Ingenieurin, Mutter, Key-Note-Speakerin und Expertin für Vereinbarkeit. In diesem Podcast teilt sie ihre besten Tipps zu neuer Führung und Vereinbarkeit und stellt euch inspirierende Role-Models vor.
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Hear me speak - meine nächsten öffentlichen Auftritte:
24.04.2026 FemWorx in Hannover zum Thema "Karrierecode entschlüsselt: Die drei Faktoren, die Frauen wirklich weiterbringen"
18.05.2026 digital im Rahmen der Aktionswoche des HochschulNetzwerkFamilie NRW für die Universität Paderborn mit dem Thema "Elternkompetenzen als Fundament moderner Führung"
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Vielen Dank an die Garage33 in Paderborn für die Nutzung des Medienstudios und das Bildmaterial!
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Transkript
Elisabeth Tophinke: Herzlich willkommen zum Podcast Work, Life, Rebels. Ich bin euer Host, Elisabeth Tophinke, und ich freue mich heute, dass ich Isabell Nitz zu Gast habe. Hallo, Isabell!
Elisabeth Tophinke: Ja, das freut mich sehr. Ich stell dich vor, Isabelle, denn dann haben wir ein gutes Gefühl dafür, wen wir denn hier so vor uns haben und dann starten wir in bekannter Manier über die Schnellfeuerfragen ins Thema, den Phrasenverdrescher und die Empfehlung. Bereit?
Isabel: Hallo Elisabeth, schön, dass ich heute da sein darf bei dir.
Isabel: Bereit!
Elisabeth Tophinke: Sehr gut. Isabelle Nitz ist Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der InWolf GmbH, einer Beratung für die Transformation international ausgerichteter Mittelständler. Außerdem ist sie Executive Coach. Davor war sie in verschiedenen Führungsrollen im Vertrieb bei Windmöller und Wincor Nixdorf tätig. Seit knapp einem Jahr ist sie Präsidentin der Managerinnen OWL und engagiert sich zusätzlich als Mentorin für Nachwuchsführungskräfte. Über die MIOs haben wir uns auch kennengelernt, Isabelle. Hallo!
Elisabeth Tophinke: Genau, ja, wir waren auch zusammen in einem Ressort, wo wir bestimmt gleich noch mal drauf zu sprechen kommen.
Isabel: Genau, wir haben ja schon das ein oder andere zusammen unternommen bei den MIOs.
Elisabeth Tophinke: Ja, ich starte am liebsten mit den Schnellfeuerfragen und die erste mal direkt raus, Isabelle. Was vereinbarst du denn in deinem Leben?
Isabel: Auf jeden Fall kommen wir darauf zu sprechen.
Isabel: Doch so einiges. Also natürlich meine Firma, meine Kunden, Coachings. Ich bin Mentorin bei Cross-Mentoring OWL. Also das ist ein Ehrenamt, das ich mitbegleite. Dann eben das ganze Thema Managerinnen in OWL. Jetzt schon seit vier Jahren in verschiedensten Funktionen und Rollen. Mein Hund, Familie, Freunde, Sport, Tanzen. Ja, ich glaube, das reicht erst mal.
Elisabeth Tophinke: Eine ganze Menge. Und welche drei Dinge hast du denn immer dabei?
Isabel: Also ohne Handy gehe ich nicht aus dem Haus. Das ist leider mittlerweile, auch wenn ich es nicht schön finde, aber das Ein und Alles. Ehrlicherweise auch finde ich bei mir in jeder Jackentasche mittlerweile einen Hundekotbeutel. Weil das einfach, genau, sie ist viel dabei und ständig dabei. Von daher muss man da auch ein bisschen vorbereitet sein. Und ansonsten ...
Elisabeth Tophinke: Vereinbarkeit von Hund und Leben, ja? Man muss sich um seine Gesundheit kümmern. Und was gefällt dir denn am meisten an deinem Job?
Isabel: Ehrlicherweise Lippenpflegecreme.
Isabel: Genau, ein bisschen Selbstliebe.
Isabel: Die Vielfalt, die Abwechslung und die verschiedenen Menschen, mit denen ich zu tun habe. Und vor allem geht es bei allem, was ich tue, egal ob ich jetzt Beratungsprojekte habe oder ob ich mit Menschen im Coaching arbeite: Es geht immer um Wachstum. Also immer darum zu expandieren, egal ob jetzt als Unternehmen oder eben auch als Mensch mit seinen ganzen Persönlichkeitsthemen, die wir so mitbringen. Und das ist eigentlich auch so mein Antrieb im Leben, was mir super viel Spaß macht. Und das ist sehr erfüllend, wenn man da einfach sieht: Entweder ein Unternehmen erreicht Ziele, die sie sich gesteckt haben, geht in einen neuen Markt rein, platziert ein neues Produkt am Markt. Oder aber eben auch, wenn ich dann mit den Führungskräften arbeite, dann einfach zu sehen, wie da die persönliche Entwicklung stattfindet, wie sie es schaffen, ihre Mitarbeiter besser mitzunehmen, sodass die auch wiederum wachsen können.
Elisabeth Tophinke: Mhm.
Isabel: Dieser Multiplikator-Effekt, das ist total schön.
Elisabeth Tophinke: Ja toll. Dann hab ich das Gefühl, Isabelle, wir kennen dich jetzt schon ein bisschen und können thematisch einsteigen. Denn für die Folge mit dir hab ich mir überlegt, dass wir uns insbesondere das Netzwerk der Managerinnen OWL genauer angucken. Und du als Präsidentin bist natürlich perfekt positioniert, uns dazu ein bisschen mehr zu erzählen. Ich bin selbst mit. Ja genau.
Isabel: Ja, das mache ich sehr gerne.
Elisabeth Tophinke: Ich bin selbst Mitglied bei den Managerinnen OWL und ihr werdet es als treue Podcast-Hörer an der einen oder anderen Stelle auch schon mal gehört haben, dass wir von den MIOs oder den Managerinnen OWL sprechen, denn Iliane Dingel-Pattberg, die schon hier im Podcast war, und Stephanie Mollemeier habe ich zum Beispiel auch darüber kennengelernt. Deswegen, Isabelle, magst du vielleicht mal anfangen, uns zu erklären, wer oder was die Managerinnen OWL denn eigentlich sind?
Isabel: Auf die Förderung.
Isabel: Ja, sehr gerne. Die Managerinnen OWL sind ein unternehmensunabhängiges Netzwerk hier in der Region Ostwestfalen-Lippe, daher natürlich auch der Name. Und wir sind mittlerweile 170 Frauen in Führungspositionen hier aus der Region, die sich eben in einem Netzwerk zusammengeschlossen haben, um das Thema Sichtbarkeit
Elisabeth Tophinke: Hm.
Isabel: und Wirksamkeit von Frauen in der Wirtschaft noch mal deutlich stärker zu positionieren. Wir setzen uns für das ganze Thema Chancengerechtigkeit deutlich ein. Da werden wir vielleicht noch mal ein bisschen weiter drauf zu sprechen kommen. Und wir setzen uns auch dafür ein, junge Frauen zu motivieren, auch in Führungspositionen zu gehen. Also das ganze Thema Nachwuchsführungskräfte, insbesondere eben auf der weiblichen Ebene dann in unserem Fall.
Elisabeth Tophinke: Eine schöne Geschichte und einfach Anekdote vielleicht von meiner Seite. Als ich selbst noch Mentee war im Cross-Mentoring, haben einige der erfahrenen Mentorinnen dann immer wieder von den MIOs gesprochen. Und ich hab dann gegoogelt, was sind denn die MIOs, und hab's erst falsch verstanden und dachte, Mios oder so was, bis ich dann raus hatte, was die Managerinnen OWL sind und was man da machen kann, war ich schon überzeugt, dass ich da auf jeden Fall Mitglied werden möchte. Und hab mich dann auch, sobald ich lange genug Führungserfahrung hatte, sofort beworben und wurde aufgenommen.
Isabel: Ja, ist schön, dass du dabei bist.
Elisabeth Tophinke: Was ist denn das Ziel der Managerinnen OWL? Was ist neben dem Persönlichen, was du ja gerade auch in der Gründungsgeschichte so erzählt hast, die Zielsetzung des Vereins?
Isabel: Die Zielsetzung des Vereins ist einmal: Wir unterscheiden zwischen den externen Zielen und den internen Zielen. Die externen Ziele sind, was ich vorher schon gesagt habe, das Thema Sichtbarkeit und Positionierung von Frauen in Führungspositionen in der Region zu stärken, wobei es immer wichtig ist: Bei Sichtbarkeit geht es vor allem auch um Wirksamkeit. Also nicht nur Sichtbarkeit, sichtbar zu sein, sondern eben auch Wirksamkeit hier in der Region zu schaffen. Aber auch aufzuzeigen, dass es schon sehr viele sehr kompetente Frauen in Führungspositionen hier in der Region gibt. Und die Region ist ja eine der wirtschaftsstärksten in Deutschland. Also das darf man nicht unterschätzen, was das tatsächlich bedeutet. Dann setzen wir uns, wie gesagt, für das Thema Chancengerechtigkeit ein. Da geht es wirklich darum, dass man die Möglichkeit hat, Karriere zu machen und die gleichen Voraussetzungen anzutreffen als Frau, die eben auch unsere männlichen Kollegen entsprechend haben. Und wie gesagt, das Thema, wirklich Role Model zu sein für junge Nachwuchsführungsfrauen. Genau, das sind also die nach außen gelagerten Ziele.
Elisabeth Tophinke: Ja. Mhm. Ja.
Isabel: Und intern ist es uns natürlich super wichtig, auf der einen Seite ein super vertrauensvolles Netzwerk zu schaffen, wo wir uns einfach ganz offen austauschen können, auch mal in Anführungsstrichen die Hosen runterlassen können und sagen, ich brauche echt mal Hilfe, ohne dass man das Gefühl hat, sich irgendwie bloßzustellen oder Sonstiges.
Elisabeth Tophinke: Genau.
Isabel: Also diese Fallberatung und so weiter, was wir da entsprechend anbieten, das ist unheimlich wertvoll. Abgesehen von Tipps und Tricks, kennt jemand wen, wie auch immer.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Isabel: Das andere ist, dass wir, und darüber haben wir uns ja auch kennengelernt, wir haben ein Ressort, das sich „Voneinander lernen“ nennt, das einmal im Monat ein Format organisiert, sei es ein Vortrag. Jetzt ein neues Format ist auch einfach eine Diskussion, ein Austausch zu verschiedenen Fachthemen, weil wir haben 170 Frauen in Führungspositionen und das ist eine Menge an Wissen und Kompetenz, die wir da haben.
Elisabeth Tophinke: Hehehehehe.
Isabel: Dafür zu sorgen, dass alle davon profitieren können, das ist eigentlich genau dieser Hintergrund, was dieses Ressort macht. Und das ist ein schönes Format, wo wir uns selber gegenseitig noch mal Wissen vermitteln und wo man auch ganz viel Lernen mitnehmen kann. Genau, das sind so die großen Bausteine, auf die wir uns eigentlich konzentrieren. Und ein bisschen Spaß müssen wir natürlich auch noch haben, by the way.
Elisabeth Tophinke: Ja toll. Das sprichst du einen total wichtigen Punkt an.
Isabel: Gerade weil Frauen ja anders netzwerken, wie du es auch schon richtig gesagt hast, und ein Aspekt, der auch noch dazu beiträgt im Sinne des anders Netzwerkens ist, dass Frauen viel stärker das private Netzwerk von dem beruflichen Netzwerk trennen. Und wir erleben ja im Moment an einigen Stellen, dass Frauennetzwerke wieder verschwinden, insbesondere so in den Unternehmen. Da ist ja, sagen wir mal, ein bisschen die Rolle rückwärts im Moment. Aber es ist ebenso wichtig, weil dieses Thema, sich beruflich zu vernetzen, für uns Frauen einfach noch mal eine ganz andere Komponente hat, als das eben bei Männern oftmals der Fall ist, die auch viel mehr ihr privates Netzwerk einfach nutzen, um beruflich voranzukommen.
Elisabeth Tophinke: Ja, das stimmt. Wichtiger Hinweis. Und echt ein Thema, das mit Berührungsängsten verbunden ist. Ich hab das manchmal gar nicht gemacht. Kann ich jetzt einfach persönlich teilen und beginne jetzt langsam auch mal, mein privates Netzwerk beruflich zu aktivieren. Hab jetzt zum Beispiel Podcastgäste beim Kinderturnen rekrutiert. Hätte ich früher nie gemacht. Nie gemacht.
Isabel: Ja super. Genau das ist tatsächlich ein großer Unterschied und von daher die Wichtigkeit von solchen Netzwerken für uns Frauen im beruflichen Kontext einfach unheimlich wichtig.
Elisabeth Tophinke: Ja super. Warum bist du denn persönlich Mitglied geworden? Was begeistert dich an den MIOs?
Isabel: Also persönlich Mitglied geworden bin ich tatsächlich auf Empfehlung und dann war ich mal bei einer Veranstaltung einfach mal so mit dabei und hab mir das mal angeguckt und war total begeistert über das Miteinander, was du vorhin auch schon angesprochen hast. Da ist eine tolle Energie im Raum, wenn wir zusammenkommen, dass dieses Miteinander, diese Unterstützung, das Unaufgeregte auch, da ist kein großartiges Positionieren oder eine besser als die andere oder wie auch immer. Also nicht falsch verstehen, natürlich gibt es bei uns auch durchaus Diskurs und Diskussion und alles, was dazugehört. Ich meine, wir sind 170 Frauen in Führungspositionen.
Elisabeth Tophinke: Also auch 170 Meinungen.
Isabel: Alphafrauen, die eben eine starke Meinung haben und diese auch gelernt haben durchzusetzen beziehungsweise sich eben entsprechend einzusetzen dafür. Und von daher gibt es diesen Diskurs auch, aber das ist ja genau das, was es auch bereichert, diese Meinungsvielfalt, diese Perspektivenvielfalt. Und dann aber, wenn man zu einem Konsens kommt, dass dann alle wieder an einem Strang ziehen und richtig Gas geben und mit anpacken.
Elisabeth Tophinke: Ja. Absolut, absolut. Und das mit der Energie kann ich absolut bestätigen. Zumindest für mich als eher extrovertierte Person ist es wichtig, sich manchmal eben in so Umgebungen wieder aufzuladen. Und die MIO-Events sind diese Events, die ich, auch wenn ich völlig platt bin von einer anstrengenden Woche, ganz bewusst mitnehme, weil ich weiß, dass sie mir die Akkus wieder aufladen. Weil es eben inspiriert, dieser Austausch ist konstruktiv, angenehm. Und wir haben zum Beispiel unseren Paderborner Stammtisch häufig freitags. Und ich hab mir manchmal schon gedacht, wenn ich in den Kalender geguckt hab, wie soll ich diese Woche jetzt noch packen? Und dann hab ich aber gesagt, ich geh dahin. Und dann hatte ich am Ende wieder quasi die Akkus voll, bevor ich ins Wochenende gestartet bin, weil ich auf dem Stammtisch war. Das ist super.
Isabel: Das ist auch etwas, was wir von außen immer wieder gespiegelt kriegen. Wenn wir Veranstaltungen machen, wo Nicht-MIO-Mitglieder mit dabei sind, die einfach sagen, das ist echt toll, wie ihr hier auftretet und was ihr für eine Gemeinschaft habt und was ihr ausstrahlt.
Elisabeth Tophinke: Ja, deswegen. Da kann ich mich sehr gut in dich reinversetzen und verstehen, warum du Mitglied bist und auch Präsidentin geworden bist. Ja, wie kann man denn jetzt Mitglied werden bei den MIOs oder sich engagieren? Denn das ist natürlich, wenn wir jetzt darüber reden und davon so begeistert sprechen, bestimmt eine Frage, die den einen oder anderen interessiert. Die eine oder andere.
Isabel: Also ich sag mal von der Formalie her kann man einen Antrag über unsere Webseite stellen. Das ist der einfache Teil. Aber wir haben natürlich einige Zugangskriterien. Wir legen natürlich sehr viel Wert auf das Thema Qualität. Also uns geht es nicht unbedingt darum, ein Riesennetzwerk zu werden, auch wenn wir mittlerweile 170 Frauen sind. Sondern es geht wirklich darum, zu gucken, dass wir zum einen eine Vielfalt an beruflichen Fähigkeiten und so weiter mit einbringen. Zum anderen ist ein ganz harter Faktor wirklich das Thema Führungserfahrung. Also wir brauchen und suchen schon Frauen, die mindestens fünf Jahre Führungserfahrung haben. Und Führung, wir hier wirklich Führung, also fachliche und disziplinarische Führung. Ich bin Teamleiterin von einem Team mit zwei Mitarbeitern. Das meine ich nicht despektierlich, überhaupt nicht. Das ist ein Schritt, aber dann gerne im nächsten Schritt auf uns zukommen. Und wir gucken, dass wir nicht zu viele Mitglieder aus einem Unternehmen haben, weil wir wollen ja kein Unternehmensnetzwerk sein, sondern uns ist ja diese Unternehmensunabhängigkeit sehr wichtig. Das ist also auch noch ein Aspekt, auf den wir so ein bisschen achten.
Elisabeth Tophinke: Also, Webseite der MIOs verlinke ich und dann der eine oder andere, der sich jetzt angesprochen fühlt, einfach mal angucken und bewerben.
Isabel: Auf jeden Fall gerne mal vorbeischauen, genau.
Elisabeth Tophinke: So Isabel, jetzt haben wir ein gutes Gefühl davon, wer die MIOs sind, warum du da Mitglied bist. Jetzt ist natürlich Präsidentin von einem Frauennetzwerk mit 170 Mitgliedern bestimmt auch eine zeitraubende und intensive Aufgabe. Deswegen vielleicht magst du uns mal so ein bisschen erzählen, wie vereinbarst du das denn? Ein zeitaufwendiges Ehrenamt in der Führungsrolle mit deiner Tätigkeit in deiner eigenen Firma.
Isabel: Mhm.
Isabel: Der wichtigste Aspekt ist mein Kalender. Deswegen auch nie ohne Telefon oder Handy eben aus dem Haus gehen. Kalender, Struktur, Disziplin, klare Prioritäten und gleichzeitig Flexibilität, weil ich natürlich, wenn ich Kundenprojekte habe, dann muss ich natürlich auch ein bisschen jonglieren können. Aber am Ende des Tages: Ich plane mir tatsächlich Zeiten ein für alles, also sowohl für Kundenberatungsprojekte als auch Zeit für Coaching-Tage als auch Zeiten, wo ich mich eben engagiere für die Managerinnen OWL. Privat natürlich auch. Das darf natürlich auch nicht hinten überfallen. Und bin da relativ stringent. Das heißt nicht, dass ich da nicht mal kurzfristig irgendwie was umagiere oder wie auch immer. Aber ich habe eben einen festen Timeslot jede Woche, den ich mir vorreserviert habe für die Managerinnen OWL, wo ich die Themen, die im Laufe der Woche angefallen sind, auch abarbeite. Und das ist mal mehr, das ist mal weniger. Und bin da dann eigentlich auch relativ konsequent, dass ich mir da nichts reinbuche ansonsten.
Elisabeth Tophinke: Mmh.
Isabel: Also das ist wirklich so dieses Thema priorisieren, diszipliniert sein und sich aber auch genug Zeit dafür einräumen.
Elisabeth Tophinke: Also stelle ich mir vor, dass dein Kalender eine sehr bunte Angelegenheit ist mit so thematischen Blockern, ein halber Tag da, der Tag da. Also machst du das so in einem regelmäßigen, immer sich wiederholenden Intervall oder ist das eher so ein Puzzle? Du guckst dir deine nächsten drei Wochen an und weißt, ich muss zwei Stunden dafür reinkriegen, zwölf Stunden dafür. Wie genau machst du das?
Isabel: Also ganz grob kann man sagen, drei Tage in der Woche sind für Beratungsprojekte, Kundentermine und Co. vorgesehen. Eineinhalb Tage sind für Coaching vorgesehen und ungefähr ein halber Tag ist für die Managerinnen OWL dann entsprechend vorgesehen. Das variiert dann aber komplett im Sinne von:
Elisabeth Tophinke: Hm.
Isabel: Mal ist es Montagnachmittag und mal ist es Donnerstagvormittag. Je nachdem, wie eben die Kundenprojekte sind, wie meine Coachingtermine liegen, wie natürlich auch ein paar private Themen liegen, wie ich auch abends noch Zeit habe, weil ich sage mal, vieles, wo wir uns natürlich im Netzwerk abstimmen, das machen wir natürlich zum Großteil abends.
Elisabeth Tophinke: Ja, guter Trick. Weil du dann damit quasi die Prioritäten klar vorgibst. Indem du weißt: So viel Zeit möchte ich dahin allokieren und trotzdem das dann flexibel im Kalender hin und her schiebst.
Isabel: Hör.
Isabel: Und das Private darf aber natürlich auch nicht hinten überfallen. Das ist als Ausgleich auch noch mal wichtig.
Elisabeth Tophinke: Ja, das ist immer wieder ein wichtiger Hinweis, einer, wo ich mich immer bei ertappe, dass ich mich da jedes Mal an die Nase packen muss, damit ich das nicht als erstes streiche, wenn der Kalender zu voll ist. Ja, sehr schön. Ich bin jetzt ein bisschen neugierig.
Isabel: Ja.
Elisabeth Tophinke: Wenn du so als Präsidentin der MIOs die Chance hättest, zum Beispiel ins Bundeswirtschaftsministerium eingeladen zu werden, jemand auf dem politischen Parkett, wer auch immer, ganz genau jemand Wichtiges mit Einfluss hat erkannt: Diese ganzen Gaps, angefangen vom Gender Pay Gap über den Thomas-Kreislauf und irgendwie noch immer viel zu geringe Quote an Frauen in Führung, die wollen wir aktiv angehen. Und dann laden sie dich ein als Vertreterin eines Netzwerks, das für diese Themen steht und das eben auch Erfahrung hat, Frauen in Führung bringt. Was wären so die Dinge, die du mitbringen und vorschlagen würdest?
Isabel: Mhm.
Isabel: Zunächst bin ich total froh, dass du mich ins Wirtschaftsministerium einlädst. Ich bin tatsächlich von einem größeren Verband, die gemeint haben, wir müssten im Verband auch mal ein Frauennetzwerk aufsetzen, nach Berlin eingeladen worden ins Familienministerium, um über das Thema Vereinbarkeit zu sprechen. Damit will ich nicht despektierlich sein, das ist ein ganz, ganz wichtiges Thema. Und ich meine, ich weiß auch, dass wir heute einen Podcast genau vor dem Hintergrund hier haben.
Elisabeth Tophinke: Mmh.
Isabel: Aber es ist so klassisch, weil als geschäftsführende Gesellschafterin und eigenes Unternehmen möchte ich ja über Wirtschaft sprechen und dann will ich eben über die Wirtschaft oder zum Wirtschaftsminister oder zum Finanzminister oder auch zum Außenminister, weil ich ja sehr viel international arbeite. Also finde ich das schon mal einen wichtigen Aspekt. Was würde ich gerne dort positionieren? Dass Führung beziehungsweise Frauen in Führung eben kein Nice-to-have mehr ist und es geht auch in keinster Weise mehr nur um Fairness oder Chancengleichheit oder Sonstiges, sondern es ist und es wird in den nächsten Jahren noch mehr wirklich ein wirtschaftlicher Standortfaktor werden. Wir haben das ganze Thema Fachkräftemangel, der sich noch mal deutlich verstärken wird, und Frauen in Führungspositionen zu bringen und dort zu fördern, ist strukturell eine Notwendigkeit geworden. Damit wir den Wirtschaftsstandort Deutschland auch weiterhin so gestalten können, wie wir ihn bisher gestaltet haben, beziehungsweise hoffentlich auch wieder ein bisschen besser als in den letzten paar Jahren. Und da hat das Wachstum auch wieder entsprechend absichern können.
Elisabeth Tophinke: Mmh.
Isabel: Das wäre also ein Aspekt, ich anbringen wollen würde, da Maßnahmen aufzusetzen in verschiedenster Form, wirklich dieses Thema Chancengerechtigkeit einfach noch mal deutlich zu verbessern. Das wäre so ein Aspekt. Der andere Aspekt, der, glaube ich, im Moment wichtiger wird, ist wieder das Thema, dass Führung wieder menschlicher werden darf.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Isabel: Wir haben die letzten 20, 30 Jahre die Unternehmen sehr getrimmt auf Effizienz, Zahlen, Daten, Fakten. Und das ist nach wie vor wichtig.
Elisabeth Tophinke: Mh.
Isabel: Ich meine, wir reden hier immer noch über Unternehmer, die wollen Profite erwirtschaften und das sollen sie auch. Ich meine, ich bin selber Unternehmerin. Ich mache das auch nicht nur aus Spaß an der Freude, aber vor dem Hintergrund all dessen,
Isabel: was ansteht an Transformationsaufgaben, die wir vor uns haben, egal ob es jetzt eben Digitalisierung, Künstliche Intelligenz ist, ob es der Energiewandel ist, ob es Themen sind wie auch die geopolitischen Unsicherheiten, die wir im Moment haben, die sich ja massiv auf die Wirtschaft im Moment auswirken. Da geht es dann eigentlich darum, die Führung wieder auf eine andere Ebene zu heben. Ich bin immer total erschrocken, wenn ich mitkriege, dass wir in vielen Unternehmen im Moment dieses Präsenzthema wieder so in den Vordergrund stellen. Auch wenn das für mich überhaupt keinen Belang hat. Ich habe immer international gearbeitet. Ich habe immer internationale Teams gehabt. Meine Mitarbeiter saßen schon immer in China, Afrika, USA oder wie auch immer. Die konnte ich gar nicht kontrollieren. Sondern da geht es dann eben um Vertrauen und auch nicht eine Messung von Leistung im Sinne von Präsenz, sondern eben an Ergebnissen.
Elisabeth Tophinke: Müssen sie. Ja.
Elisabeth Tophinke: Mhm. Ja. Hmm.
Isabel: Aber, und auch das merke ich ganz viel im Moment in den Coachings vor allem, das Thema Kommunikation wird gerade so wichtig, weil sehr viel Unsicherheit gerade auch bei den Mitarbeitern ist. Und dann das ganze Thema Klarheit als Führungskraft, präsent sein, wirklich präsent sein und dann gut kommunizieren zu können.
Elisabeth Tophinke: Ja. Mh.
Isabel: Das sind an sich so Key-Faktoren, auf die wir uns im Moment so ein bisschen fokussieren dürfen.
Elisabeth Tophinke: Und wo es ja, zumindest der Studienlage nach, auch einen gewissen Vorteil von weiblichen Führungskräften gegenüber Männern gibt.
Isabel: Genau, absolut. Und gar nicht mal, weil Frauen eben Frauen sind, sondern weil es einfach darum geht, in die Führung in den Unternehmen noch mal eine Perspektivenvielfalt reinzukriegen und andere Gedankenansätze und andere Überlegungen. Und darum geht es eigentlich. Es geht nicht um ein „Wer kann was gut oder besser als der andere?“, gar nicht, sondern eher darum, wie können wir eine Gemengelage schaffen, wo alle das Beste von sich einbringen können, unabhängig
Elisabeth Tophinke: Mh.
Isabel: ob Mann oder Frau, weil daraus entsteht dann was wirklich Großes, wenn man das tatsächlich schafft und dass die Kompetenzen und Fähigkeiten sich gegenseitig wirklich addieren sozusagen und multiplizieren in dem Moment tatsächlich.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Isabel: Und last but not least würde ich mir so unheimlich wünschen, dass wir anfangen, gesellschaftlich anders zu denken und ich glaube, das ist auch der Staat und damit das Wirtschaftsministerium dadurch gute Rahmenbedingungen schaffen kann. Sei es durch transparente Beförderungsstrukturen, sei es durch zum Beispiel auch für Unternehmensgründerinnen einen fairen Kapitalzugang. Das ganze Thema Finanzierung für weibliche Gründerinnen ist ja ein Thema, was nach wie vor stiefkindlich behandelt wird.
Elisabeth Tophinke: Ja. Genau. Da gibt es einen ganz klaren Unterschied. Das Geld geht eher in die Richtung von männlichen Gründern.
Isabel: Absolut. Und ich weiß ja von meiner eigenen Bank und von meinen Finanzierungsgründen, da wird selten gefragt, wo wollen Sie denn hinwachsen, wie wollen Sie skalieren und so weiter und so fort. Das wird auch gefragt. Aber vornehmlich geht es darum, wie abgesichert ist das, haben Sie alle Risiken betrachtet und so weiter und so fort. Also es wird eher das Risiko in den Vordergrund gestellt als das Potenzial letzten Endes. Also das ist wirklich ein Thema.
Elisabeth Tophinke: Hm.
Isabel: Und du hast ja mal einen sehr schönen Vortrag bei uns Managerinnen OWL zum Thema Bias gehalten.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Isabel: Und ich glaube, das ist einer der Key-Faktoren, weil der Staat kann Rahmenbedingungen vorgeben. Die Unternehmen können Themen wie Vereinbarkeit, also alles rund um Vereinbarkeit, sei es Teilzeit, sei es Shared Leadership im Sinne von eben geteilten Teilzeitführungsaufgaben und so weiter und so fort. Da kann ganz viel passieren. Aber wir müssen vor allem in so vielerlei Hinsicht gesellschaftlich umdenken und uns aus unseren eigenen Gedankenmodellen verabschieden.
Elisabeth Tophinke: Wir haben das angenommen, klar. Genau, wir sind darin ja auch groß geworden.
Isabel: Und das betrifft nicht nur die Männer, sondern auch viele Frauen. Auch wir haben natürlich durch unsere Sozialisierung in unserer Gesellschaft manchmal selber diese Biases, ohne dass sie uns bewusst sind. Und da ist auch ein Aspekt, der mir immer wichtig ist, gerade auch, wenn ich mit weiblichen Führungskräften im Coaching arbeite, weil es geht darum, seinen eigenen Weg von Führung zu finden und gar nicht sich so an diesen männlich geprägten Rollen zu orientieren.
Elisabeth Tophinke: Mh. Ja.
Isabel: Und auch das ist natürlich logisch. Die Rollen sind nach wie vor männlich geprägt, weil wir da herkommen, sondern es geht wirklich darum, seinen eigenen Führungsstil und seine eigene Art und Weise zu finden und nicht unbedingt etwas nachahmen zu müssen. Darin eine schöne Anekdote.
Elisabeth Tophinke: Genau.
Isabel: Vor ein paar Jahren, das ist jetzt schon eine Weile her, aber war ich mal auf einer Aufsichtsratssitzung und es wurde eine neue Aufsichtsrätin vorgestellt, ganz stolz die erste Frau in diesem Aufsichtsrat. Und es kommt eine Frau rein im Anzug mit Weste, Krawatte, kurzen nach hinten gegelten Haaren, ungeschminkt. Und das Einzige, was an dieser Frau weiblich war, war der Name. Die hat sich komplett in dieses männliche Bild und Konzept rein integriert und hat das letzten Endes nachgemacht. Und auch dann in der Art und Weise, wie sie gesprochen hat, hat sie das auch noch mal transportiert. Es ist doch aber gerade schön, diese Vielfalt zu haben in den Führungsetagen. Und das ist eben das, was sich auch befruchtet.
Elisabeth Tophinke: Dafür aber wieder den Mut zu haben, zu erkennen, dass das gut ist und dass es das wert ist, anders zu sein und seine Akkus dann wieder aufzuladen von diesem dann doch ja ein bisschen Anecken, dafür brauche ich zumindest Netzwerkenaustausch. Weil sonst ist das doch auch sehr verlockend, einfach dem Versuch hinzugeben, sich in der Gruppe anzuschließen und das gleich zu machen, weil wir Menschen ja dazugehören wollen. Und anders zu sein erfordert echt immer ein bisschen mehr Energie und ein bisschen mehr Mut.
Isabel: Das ist definitiv so und es erfordert Mut. Das ist ein guter Punkt. Und gleichzeitig, wenn man diesen Weg erst mal eingeschlagen hat, dann merkt man, wie viel Kraft einem das dann auch gibt, wenn man sich eben nicht verstellt, sondern authentisch sein kann und wirklich seine Persönlichkeit leben kann.
Elisabeth Tophinke: Mhm.
Isabel: Das ist nicht immer einfach. Gottes Willen, das will ich damit überhaupt nicht sagen. Aber wenn man mal anfängt, diesen Weg zu gehen, wie gesagt, dann fällt es einem immer leichter. Und ich kann nur jede Frau ermutigen, genau das zu tun. Authentisch zu sein, seid ihr selber, ihr bringt alles mit, was ihr braucht, erfolgreich zu sein. Das andere ist tatsächlich auch Mut zur Macht. Macht ist auch so ein Thema, womit sich Frauen unheimlich schwer tun, weil der Begriff für uns vermeintlich so negativ besetzt ist. Macht ist für uns, für mich zumindest, aber auch mit vielen Frauen, mit denen ich gesprochen habe, eben eher ein: Ich stülpe jemandem etwas über, ich zwinge ihn, etwas zu tun.
Elisabeth Tophinke: Aber es ist auch Gestaltungsmacht. Und das ist das Attraktive daran.
Isabel: Es ist Gestaltungsmacht. Es ist Gestaltungsmacht. Es ist Selbstermächtigung.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Isabel: Und es ist eigentlich das, was Frauen so schön dann immer als Wirksamkeit betiteln. Es ist am Ende des Tages eigentlich genau das Gleiche. Wirksamkeit erreiche ich, indem ich meine Machtposition einnehme und wie gesagt nicht negativ, nicht im Sinne von irgendwas durchdrücken oder diese Command-and-Control-Thematik, wie wir sie früher in der Führung hatten, sondern im Sinne von gestalten.
Elisabeth Tophinke: Hast du mich voll ertappt. Weil gerade Wirksamkeit ist so das, was ich ganz oben hinschreibe, bei allem, was ich möchte. Und ich formuliere das dann häufig noch irgendwie so am längeren Hebel sitzen, an meinem Hebel arbeiten. Aber ich müsste echt mal mehr das Wort Macht ganz aktiv in meinen Wortschatz integrieren und einfach zugeben, dass ich mächtig sein möchte. Ist ja nix Schlimmes dran.
Isabel: Hehehehehe! Absolut nicht. Nur wenn wir mächtig sind, wie gesagt, können wir gestalten und nur wenn wir gestalten können, können wir wirksam sein. Das ist ein schöner Kreislauf eigentlich.
Elisabeth Tophinke: Ja. Ja, genau. Und das passt dann auch wieder gut zu dem, was du dem Bundeswirtschaftsministerium vorschlagen würdest. Einmal wirklich Frauen als Ressource anzuerkennen, dafür Maßnahmen einzuleiten, unsere wirtschaftlichen Standorte zu sichern. Dann das ganze Thema menschlicher führen und auch da einen ernsthaften Vorstoß machen. Und dann wirklich konkrete Maßnahmen einleiten im Bereich Gleichberechtigung und sowohl auf der Unternehmensseite als auch auf Staatsseite da mit konkreten Ideen rumzukommen, wie man solche Unterschiede dann eben struktureller Art auch mit entsprechender Gesetzgebung verhindern kann oder korrigieren kann. Da haben wir einen super Bogen gemacht, Isabelle, oder?
Isabel: Genau.
Elisabeth Tophinke: Und ich glaube zumindest, persönliche Meinung, aber da bin ich natürlich auch sehr davon überzeugt, dass wir jetzt auch so ein bisschen erklärt haben, was die Managerinnen OWL machen und bestimmt auch den ein oder anderen ein bisschen neugierig gemacht haben darauf, uns als Netzwerk kennenzulernen.
Isabel: Hoffe ich, das würde mich sehr freuen. Vielen Dank, ein schöner Bogen.
Elisabeth Tophinke: Ja, Isabelle, dann würde ich vorschlagen, dass wir jetzt zum Phrasenverdrescher kommen, dem kleinen Spiel, das ich gegen Ende des Podcasts immer noch ganz gerne einfüge, weil ich meine eigene fehlende Schlagfertigkeit dadurch ein bisschen kompensieren möchte und weil es einfach Spaß macht.
Isabel: Hehehehehe. Mhm.
Elisabeth Tophinke: Im Dialog eben so an typischen Phrasen zu arbeiten. Hast du denn irgendwas? Ist dir schon mal was aufgefallen oder hat dich schon mal jemand ...
Isabel: Also in Bezug auf was ich selber sagen würde: Nein. Aber mir fällt gerade so ein schönes Beispiel ein für so einen Killersatz, wo wir letztes Jahr eine schöne Podiumsdiskussion auf einer Veranstaltung hatten, wo drei Managerinnen OWL vertreten waren und eben über das Thema Chancengerechtigkeit gesprochen haben. Und es war eine wirklich tolle, schöne harmonische Podiumsdiskussion und der Moderator kommt am Ende auf die Bühne und bringt diesen klassischen Satz: Ja, alles super spannend und so weiter. Ich wollte neulich meine Mitarbeiterin befördern, die wollte aber nicht. Die wollte lieber Zeit für ihre Familie haben. Reißt damit an für sich mit einem so einem Satz alles vermeintlich wieder ein.
Elisabeth Tophinke: Mmh. Hmm. Ja.
Isabel: Versteht überhaupt nicht, was er da gerade tut. Und dass es genau aber darum geht, dass jede Frau entscheiden kann, ob sie möchte oder nicht. Chancengerechtigkeit heißt ja nicht, dass jetzt alle Frauen auf einmal Karriere machen müssen oder wollen oder wollen müssen, sondern einfach nur, dass sie die Möglichkeit haben, in dem Moment, wo sie es tun, genauso wie es ja auch nicht jeder Mann will, Karriere machen.
Elisabeth Tophinke: Ja, genau.
Isabel: Sondern hat vielleicht auch andere Prioritäten im Leben. Aber eben diese Gerechtigkeit herzustellen, dass man die gleiche Ausgangsbasis hat. Darum geht es ja. Und wenn dann die persönliche private Entscheidung ist, im Moment nicht oder vielleicht auch grundsätzlich nicht, weil ich einfach andere Prioritäten im Leben habe, dann ist das ja vollkommen legitim.
Elisabeth Tophinke: Absolut. Und auch dürfen wir uns verabschieden, da sind wir wieder bei diesem gesellschaftlichen Aspekt, von der Tatsache, dass Vereinbarkeit ein Thema von Frauen ist. Vereinbarkeit ist ein Thema, was uns alle angeht und was die Väter genauso angeht wie die Mütter. Und alleine dieses Denken, das ist ja schon wieder so ein Bias, da sind wir wieder bei dem Thema. Dieses Denken, dass das ein Frauenaspekt ist, der berücksichtigt werden muss.
Isabel: Absolut. Nein, das geht uns alle an und es ist, glaube ich, für viele Väter wäre es auch total schön, wenn die entspannt, gesellschaftlich anerkannt in Teilzeit in einer Führungsposition arbeiten könnten.
Elisabeth Tophinke: Und dann wäre eine gute Repartee für den Moderator gewesen: Ach ja, die eine Kollegin wollte nicht. Ja, wie 90 Prozent der Männer in meinem Team. Weil hier sind ja auch wirklich viele ganz glückliche Experten und wirklich sehr glückliche Experten.
Isabel: Als Beispiel. Genau. Genau das.
Elisabeth Tophinke: Das wäre dann zumindest witzig, einfach auf diesen Unterschied hinzuzeigen. Ja, es gibt doch Männer, die nicht führen wollen, übrigens. Und es ist auch gut so. Jeder hat andere Stärken.
Isabel: Genau, jeder hat andere Stärken und andere Kompetenzen und andere Dinge, an denen er Spaß hat. Das ist ja auch wichtig. Führung ist ja auch eine Verantwortung, es ist eine Verpflichtung, es ist zeitintensiv. Also das darf man sich ja auch nicht irgendwie einfach nur schönreden. Und das liegt auch einfach nicht jedem.
Elisabeth Tophinke: Also auf die Antwort, ja, meine Mitarbeiterinnen wollen nicht führen, einfach mal sagen: Ja, wie 90 Prozent der Mitarbeiter.
Isabel: Absolut.
Elisabeth Tophinke: Dann am Schluss, Isabelle, ist eine Frage für mich als eine, die ständig lernt und sich weiterentwickeln möchte, ganz wichtig, nämlich: Was inspiriert dich gerade? Was kannst du unseren Hörern empfehlen? Was liest du gerade? Was hörst du gerade? Was schaust du gerade, um dich weiterzuentwickeln?
Isabel: Ich habe gestern tatsächlich einen sehr schönen Film, eine Dokumentation gesehen. Da habe ich auch sofort an die Managerinnen OWL gedacht von der ... kurz einen Cut machen. Hesselbein, ich komme jetzt nicht auf ihren Vornamen.
Elisabeth Tophinke: Das Haus.
Isabel: Ich ... gerade so ein schönes Beispiel. Ich muss noch auf dem Handy sein. Ich glaube, auch noch. Frances Hesselbein, genau. Warte, ich gehe wieder zu dir zurück.
Elisabeth Tophinke: Genau. Sag den Satz am besten einfach nochmal.
Isabel: Okay, also ich habe tatsächlich gestern eine total spannende Dokumentation gesehen. Da habe ich auch sofort an die Managerinnen OWL gedacht und mir überlegt, dass wir den Film unbedingt mal alle zusammen gucken müssen über Frances Hesselbein. Frances Hesselbein war Pionierin im Sinne der Girl Scouts in den USA. Sie hat sie nicht mit gegründet, aber sie hat die Leitung der Girl Scouts irgendwann übernommen in den USA. Und das hört sich jetzt erst mal so lapidar an, aber die Girl Scouts sind tatsächlich die größte weibliche Vereinigung in der Welt. Und sie hat dort ihre Führungsmodelle mit eingebracht, die extrem inspirierend sind.
Elisabeth Tophinke: Hmm. Mhm.
Isabel: Sie redet ganz viel vom Miteinander und eben dieser Menschlichkeit in der Führung, über die wir schon gesprochen haben, bringt da ganz viele tolle Aspekte mit ein. Und sie hat zum Beispiel auch eng mit Peter Drucker zusammengearbeitet, der ja vielen Leuten wiederum was sagt.
Elisabeth Tophinke: Der Management-Vordenker.
Isabel: Genau. Und die beiden haben sehr stark zusammengearbeitet und sich gegenseitig inspiriert. Und viele seiner Management-Konzepte gehen tatsächlich auf ihre Gedanken und Überlegungen zurück.
Elisabeth Tophinke: Und da sind wir wieder beim Matilda-Effekt. Jeder kennt Peter Drucker und den anderen Namen hab ich noch nie gehört. Muss ich mir hinter die Löffel schreiben, ihren Namen auch häufiger zu erwähnen.
Isabel: Genau, also eine total spannende Frau. Sie ist 107 Jahre alt geworden und hat sich bis zum Ende engagiert und ganz viele tolle Themen erarbeitet. Und auch da, wie du schon sagst, es wissen so wenige von ihr. Und das hat mich aber gestern super inspiriert. Da sind auch dann noch weitere Management-Konzepte draus entstanden, die heute noch gelebt werden.
Elisabeth Tophinke: Ja, alle, die noch mehr solche Geschichten suchen: Ist auch „Beklaute Frauen“ von Leonie Schöler ein tolles Buch, weil es eben genau diese Frauen, die Vordenkerinnen waren, Pionierinnen waren, die im Grunde den Nobelpreis verdient hätten, ihn dann aber nicht bekommen haben, die mal porträtiert und ihnen eine Bühne gibt. Da gibt es nämlich leider so viele Fälle von. Das finde ich jetzt auch echt traurig, dass ich sie noch gar nicht kannte. Also, werde ich ändern. Ja.
Isabel: Guck mal, hast du doch mal wieder was mitgenommen und kannst das noch mal hinterher anschauen.
Elisabeth Tophinke: Ja super. Dann, Isabelle, dir vielen Dank für deine Zeit. Vielen Dank für die vielen Tipps, dafür, dass du uns die Managerinnen OWL vorgestellt hast und uns gesagt hast, wie man denn ein zeitintensives Ehrenamt mit einer Geschäftsführungsrolle vereinbaren kann. Und ich habe auch noch so ein paar Elemente für meine Sprache mitgenommen, was das Thema Macht angeht. Und ich werde mir definitiv die Dokumentation angucken, einfach wieder mehr Sichtbarkeit auch für Themen, die Frauen erfunden haben und bei denen Frauen ganz intensiv beteiligt waren, mitzubringen. Danke dafür.
Isabel: Super. Ich danke dir, Elisabeth, hat mir super viel Spaß gemacht. Danke für die tollen Fragen. War nicht immer einfach, aber ich hoffe doch, dass ich ein paar Einblicke geben konnte und auch noch mal die Neugier auf die Managerinnen OWL ein bisschen wecken konnte. Genau. Und wer noch die Dokumentation angucken will? Unbedingt.
Elisabeth Tophinke: Dann euch lieben Hörern eine schöne Zeit bis zur nächsten Folge. Empfehlt diesen Podcast gerne an zwei Freunde weiter und nutzt die Affiliate-Links in den Show Notes. Bis zum nächsten Mal. Tschüss!