Unpaid Care Work: Mehr Anerkennung für das, was wirklich zählt mit Katrin Fuchs - #34
Warum Care-Arbeit in den Lebenslauf gehört, was Gleichberechtigung mit Zeitgerechtigkeit zu tun hat und wie lebensphasenorientierte Vereinbarkeit gelingen kann im Interview mit Katrin Fuchs
27.04.2026 47 min Elisabeth Tophinke
Zusammenfassung & Show Notes
Elisabeth spricht mit Katrin Fuchs über Gleichberechtigung, Care-Arbeit und lebensphasenorientierte Vereinbarkeit. In dieser Folge geht es um die Initiative Unpaid Care Work, den bewussten Umgang mit Rollenverteilungen und konkrete Impulse für mehr Zeitgerechtigkeit im Alltag und im Beruf.
Episode 34:
👤 Gästin
👤 Gästin
Katrin Fuchs ist Coachin und Beraterin für lebensphasenorientierte Vereinbarkeit und Apprentice Programme Lead bei PwC in der Schweiz. Sie ist ausgebildete Vereinbarkeitsmanagerin und Family & Career Beraterin, feministische Coachin, Mindful & Sinn-Coachin und Betriebswirtin. Vor ihrer Selbstständigkeit als Cochain hat sie hat verschiedene Stationen im Bereich Marketing und Tourismus als Angestellte durchlaufen. Von Anfang an untterstützt sie die von Franziska Büschelberger gegründete Initiative Unpaid Care Work, die als Unternehmen und Ausbildungsstätte auf LinkedIn Care-Arbeit sichtbar macht.
🧭 Worum es in dieser Folge geht
- Warum Gleichberechtigung und Gerechtigkeit die Grundlage für echte Vereinbarkeit sind
- Wie sich Care-Arbeit in Partnerschaften entwickelt – und warum das ein Prozess ist
- Was hinter der Initiative Unpaid Care Work steckt und warum sie so viele Menschen erreicht
- Warum Care-Arbeit im Lebenslauf sichtbar gemacht werden sollte
- Welche Wirkung es hat, Care-Arbeit als Kompetenz zu betrachten (z. B. Resilienz, Entscheidungsfähigkeit, Organisation)
- Warum das Wort „nur“ unsere Arbeit systematisch abwertet
- Weshalb Vereinbarkeit nicht bedeutet, alles gleichzeitig zu schaffen
- Wie ein „atmender Lebenslauf“ helfen kann, Druck rauszunehmen
- Warum Gelassenheit, Freude und klare Grenzen entscheidend für Vereinbarkeit sind
- Welche Rolle Privilegien spielen – und warum nicht jede Person Care-Arbeit offen zeigen kann
- Warum Care-Arbeit kein „Mütterthema“, sondern ein gesellschaftliches Thema ist
- Wieso Zeitgerechtigkeit ein zentraler Hebel für mehr Gleichberechtigung ist
- Warum mehr Vielfalt in Entscheidungsgremien echte Veränderung ermöglicht
🔗 Kontakt
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LinkedIn Katrin Fuchs
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Website Katrin Fuchs
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Equal Pages – Buchclub
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Unpaid Care Work – Website
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Unpaid Care Work – LinkedIn
🧠 Phrasenverdrescher
- Nur: „Ich arbeite nur Teilzeit.“, „Ich bin nur zu Hause.“
- „You can have it all.“
- „Kann ich Kinder überhaupt in den Lebenslauf schreiben?“
📚 Empfehlungen
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Equal Pages – Buchclub rund um Gleichberechtigung, Care-Arbeit und Vereinbarkeit
- Blog von Katrin Fuchs mit Buchempfehlungen und Rückblicken zu den Buchclub-Sessions
-
„Alle Zeit“ von Teresa Bücker *– Einstieg in das Thema Zeitgerechtigkeit
Hat euch die Folge gefallen?
Anfragen für Key-Notes, Feedback und eure Themenwünsche könnt ihr mir sehr gerne per E-Mail schicken: elisabeth@workliferebels.de
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Vielen Dank und viele Grüße, Elisabeth
Über den Host Elisabeth Tophinke:
Elisabeth Tophinke ist Führungskraft, Ingenieurin, Mutter, Key-Note-Speakerin und Expertin für Vereinbarkeit. In diesem Podcast teilt sie ihre besten Tipps zu neuer Führung und Vereinbarkeit und stellt euch inspirierende Role-Models vor.
Social Media-Kanäle - gerne folgen!
Website zum Podcast:
https://workliferebels.letscast.fm/
Hear me speak - meine nächsten öffentlichen Auftritte:
18.05.2026 digital im Rahmen der Aktionswoche des HochschulNetzwerkFamilie NRW für die Universität Paderborn mit dem Thema "Elternkompetenzen als Fundament moderner Führung"
Transparenz-Hinweis:
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18.05.2026 digital im Rahmen der Aktionswoche des HochschulNetzwerkFamilie NRW für die Universität Paderborn mit dem Thema "Elternkompetenzen als Fundament moderner Führung"
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Vielen Dank an die Garage33 in Paderborn für die Nutzung des Medienstudios und das Bildmaterial!
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Transkript
Elisabeth Tophinke: Herzlich willkommen zum Podcast Work, Live, Rebels. Ich bin euer Host, Elisabeth Topinke, und heute hab ich Katrin Fuchs zu Gast. Hallo, Katrin.
Katrin Fuchs: Hallo Elisabeth.
Elisabeth Tophinke: Es freut mich sehr, dass du da bist, Katrin. Und wie immer stelle ich dich den Gästen erst einmal vor. Dann starten wir mit den Schnellfeuerfragen absolut direkt rein ins Thema und dann kommen wir zu den weiteren Themen wie Phrasenverdrescher und Empfehlungen. Katrin Fuchs ist Coaching und Beraterin für lebensphasenorientierte Vereinbarkeit und Apprentice Programme Lead by PWC, PricewaterhouseCoopers in der Schweiz.
Katrin Fuchs: Vielen Dank.
Elisabeth Tophinke: Sie ist ausgebildete Vereinbarkeitsmanagerin und Family-and-Career-Beraterin, feministische Coaching, Mindful- und Sinncoaching und Betriebswirtin. Vor ihrer Selbstständigkeit als Coaching hat sie verschiedene Stationen im Bereich Marketing und Tourismus als Angestellte durchlaufen. Gemeinsam mit Franziska Büschelberger hat sie die Initiative Unpaid Care Work gegründet, die als Unternehmen und Ausbildungsstätte auf LinkedIn Care Arbeit sichtbar macht. Habt bestimmt schon gesehen, mindestens in meinem Profil. Und Kathrin, wir kennen uns aus der gemeinsamen Ausbildung als Vereinbarkeitsmanagerin.
Katrin Fuchs: Ja, schön, dass wir uns in diesem Zusammenhang jetzt wieder begegnen.
Elisabeth Tophinke: Ja, das ist echt schön. Was, Katrin, wenn wir direkt loslegen, vereinbarst du denn in deinem Leben?
Katrin Fuchs: Alles. Ganz, ganz viel. Also wie du schon in der Vorstellung zu mir gesagt hast, ich habe eben nicht nur einen Job, ich habe mehrere Jobs. Ich bin teilselbständig, ich bin angestellt. Das ist mal der Bereich Erwerbsarbeit. Ich bin aber auch Mama von zwei Kindern. Ich bin Freundin und Partnerin. Ich habe ganz viel Ehrenamt.
Elisabeth Tophinke: Mhm.
Katrin Fuchs: Habe, du schon gesagt hast, engagiere mich stark bei Unpaid Care Work im Bundesverband Vereinbarkeit. Ich habe einen Buchclub gegründet, wir vielleicht später noch kurz darauf kommen werden. Genau, also da ist ganz viel ehrenamtliches Engagement auch dabei. Und auch mir ist es sehr wichtig, in meiner Selbstfürsorge zu sein. Ich finde auch das ist ein wichtiger Vereinbarkeitsaspekt.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Katrin Fuchs: Nach mir zu schauen. Ich mache sehr, sehr gerne Sport. Ich lese sehr gerne. Also das sind die Dinge, die mich bei Energie halten und auch das ist sehr, sehr wichtig, dass ich da meine Zeitinseln dafür immer finde.
Elisabeth Tophinke: Ja. Wie teilst du dir denn die Care-Arbeit auf? Also so am liebsten in Prozent, damit man so ein Gefühl bekommt.
Katrin Fuchs: Also wir kommen tatsächlich aus einer traditionellen Rollenverteilung heraus. Als unsere Kinder klein waren, sind wir in das klassische Rollenmodell gerutscht, muss ich sagen. Es war kein bewusster Entscheid, dass ich deutlich mehr Care-Arbeit übernommen habe als mein Mann. Also ich würde sagen, 80, 20 hatten wir in unseren extremsten Zeiten. Das haben wir aber a peu a peu angepasst. Es ist jetzt im Moment wirklich, also unsere Kinder sind jetzt auch schon ein bisschen größer, sind 13 und 11 Jahre alt, also auch sie übernehmen sehr viel Care-Arbeit in unserem Haushalt mittlerweile, sodass wir es anders aufgeteilt haben. Ich kann das dir gar nicht sagen. Also wir haben definitiv kein 50-50-Modell. Ich bin immer noch, auch weil ich einfach zu Hause arbeiten kann, immer noch mehr zu Hause als mein Mann. Aber es fühlt sich für mich sehr gerecht und gut verteilt an. Und ich glaube, das ist die Hauptsache.
Elisabeth Tophinke: Ja, und ihr habt scheinbar dann ja auch viel drüber gesprochen und bewusste Entscheidungen gefällt.
Katrin Fuchs: Auf jeden Fall. Wir sind dadurch sehr intensive Prozesse gegangen. Einzelne miteinander, aber auch mit unseren Kindern. Das ist jetzt wirklich seit ein paar Jahren so, dass wir alle auf unsere Kosten kommen und es einfach gut ist und wir da auch überhaupt nicht am Aufrechnen und Zählen sind, sondern jeder immer das macht, was möglich ist. Und gewisse Dinge sind auch klar verteilt, Verantwortung klar vergeben. Und so haben wir uns jetzt ein sehr schönes Modell geschaffen.
Elisabeth Tophinke: Ja, sehr schön. Klingt, glaube ich, viele, die hier so zuhören, nach der Idealvorstellung, die doch irgendwie so erstrebenswert ist, aber manchmal gar nicht so leicht zu erreichen. Ist ein Prozess.
Katrin Fuchs: Das ist ein schmerzhafter Prozess auch. Wenn man das mal erreicht hat, dann klingt das so leicht und so wunderbar. Aber ich muss da der Transparenz halber wirklich sagen, kam weder von heute auf morgen noch war es frei von Schmerz und anderen Emotionen. Also das ist schon eine harte Arbeit.
Elisabeth Tophinke: Hm.
Elisabeth Tophinke: Aber es lohnt sich, das ist ja das Schöne daran, wenn wir dann zu jemandem mit dich hören, die du dann hier stehst und sagen kannst, jetzt passt das, wir haben es gut im Griff und alle sind zufrieden. Toll. Letzte Schnellfeuerfrage, Katrin. Was gefällt dir denn am meisten an deinen Jobs?
Katrin Fuchs: Definitiv!
Katrin Fuchs: Ja.
Katrin Fuchs: Genau das, dass es Jobs sind. Mehrzahl, plural. Genau das. Ich finde es wunderbar, es gibt ja diesen Begriff des Slashers und was genau das, was mich eigentlich gut beschreibt. Diese Vielzahl an Aufgaben und Herausforderungen im Angestelltenverhältnis, in der Selbstständigkeit, im Ehrenamt.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Katrin Fuchs: Eben auch in der Care-Arbeit, also diese Mischung, dieser bunte Blumenstrauß an Arbeit, der jeden Tag auf mich wartet und der so vielfältig ist, dass das ist das, was mich wirklich begeistert und mir große, große Freude macht und dazu führt, dass ich wirklich jedes Puzzleteil in diesem Puzzle sehr, sehr liebe.
Elisabeth Tophinke: Sehr schön. Ja, Katrin, dann sind wir warm und kommen zum Hauptteil des Podcasts. Ich würde gerne bei all der Bandbreite an Themen, die du bedienst, das haben wir ja gerade schon auch so bisschen mitbekommen, auch wie viel Ausbildung gemacht hast und welche Facetten du alle bedienen kannst, einmal wirklich fragen, was sind denn deine Lieblingsvereinbarkeitsthemen? Also was sind die Themen, für die du die absolute Expertin bist und wozu du am liebsten sprichst oder wo du dich am liebsten mit beschäftigst und dafür engagierst?
Katrin Fuchs: Also für mich ist wirklich so die Überschrift, unter die ich wahrscheinlich die gesamte Arbeit packen kann, die ich so leiste und unter der ganz viel Herzblut steht, ist bei mir wirklich dieses Thema Gleichberechtigung und Gerechtigkeit. Und eigentlich alles, was wir so an Herausforderungen erleben, ob in der Familie oder im Beruf oder in der Gesellschaft im Allgemeinen, können wir unter dieser Überschrift eigentlich anpacken und lösen und ins Gespräch kommen. Und das ist was, was ich sehr, sehr gerne mache, dass ich wirklich über diese Grundlagen spreche, über diese Gleichberechtigung, die so viele Facetten auch hat. Das ist mehr als Mann, Frau. Das hat deutlich mehr Facetten als das. Und halt dieser Gerechtigkeitsaspekt auch. Also wie bewerten wir Dinge? Welche Maßstäbe setzen wir an? Und da stellen sich dann ganz, ganz viele Fragen und da kommen ganz viele Diskussionspunkte auf in unserer Arbeit, an die wir dann anknüpfen können.
Elisabeth Tophinke: Und das machst du dann in verschiedenen Formaten. Also magst du noch bisschen erzählen, was du eigentlich alles tust, diese Themen zu bedienen, damit wir uns das noch ein bisschen besser vorstellen können.
Katrin Fuchs: Also es sind wirklich für mich ganz, ganz große Herzensthemen. Und so ist auch dieser Mix entstanden, in dem ich heute arbeite. Also einmal arbeite ich als Coaching. Also man kann mich ganz klassisch buchen, einzeln oder auch als Paar. Also ich mache auch Paar-Coachings, weil Gleichberechtigung, Gerechtigkeit löst sich seltenst allein.
Elisabeth Tophinke: Und die eigenen Ziele, Bedürfnisse, Werte, diese Themen überhaupt zu erkennen. Ja.
Elisabeth Tophinke: Hm.
Katrin Fuchs: Wobei es manchmal eben auch sehr, sehr hilfreich ist, das Thema für sich selbst einfach mal zu betrachten, einzeln und zu schauen, wie empfinde ich das, wo stehe ich da, wo sehe ich da meine Herausforderungen im Moment. Also einfach mal zu mir zu kommen und zu wissen, wo bin ich, wo will ich hin und gibt es ein Data? So diese ganzen Erkenntnisse, die Reflektionen. Also das ist der Bereich des Coachings.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Katrin Fuchs: Dann arbeite ich aber auch stark in Vorträgen oder Workshops mit Unternehmen, wo ich immer wieder zu unterschiedlichen Themen gebucht werde. Jetzt gerade diese Woche ist ja die internationale Weltfrauenwoche für mich natürlich Hochzeit. Ich hatte gestern zwei Vorträge gehalten. Der eine war wirklich so 360 Grad Vereinbarkeit. Also das Thema mal in Kontext zu setzen. Warum ist das überhaupt wichtig für uns alle? Aber dann auch zum Beispiel diesen Frauenstreik, den wir hatten. Auch das Thema aufzugreifen. Ohne Care steht alles still. Also das sind dann so Dinge, die ich mache.
Katrin Fuchs: Organisiere, moderiere Elternnetzwerke, Frauennetzwerke in Unternehmen. Also das ist ganz, ganz vielfältig, was ich da mache. Mir ist aber auch wirklich wichtig, die Themen niedrigschwellig anzubieten und eben Räume auch zu bieten, wo wir miteinander ins Gespräch kommen über diese Themen. Nicht jede Person kann sich ein teures Coaching leisten. Nicht jede Person ist in einem Unternehmen oder in einer Organisation, wo man in den Genuss kommt, dass die Themen arbeitgeberseits angeboten werden.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Elisabeth Tophinke: Genau, der Buchclub heißt Equal Pages. Ein ganz hervorragender Name für diesen Buchclub, finde ich. Ich habe leider bisher nur eine Session geschafft. Ich nehme es immer vor, aber ich war nur in einer dabei und auch nur den zweiten Teil. Also es war irgendwie bisher noch nicht von Erfolg gekrönt. Aber alles, was ich davon gesehen und gehört habe, ist wirklich extrem positiv. Ich kann das also nur empfehlen und packe den Buchclub auch in die Show Notes, damit jeder, der Sachbücher lesen möchte rund das Thema, sich weiterbilden möchte rund das Thema, aber auch es ist ja eine Mischung aus Buchclub und Vorträgen von Autoren. Also auch wer keine Zeit hat, das Buch zu lesen, kann trotzdem Veranstaltungen des Buchclubs besuchen, weil die Autoren das Thema vorstellen.
Katrin Fuchs: Genau, das sind diese Niedrigschwelligen, weil auch im Care-Bereich müssen wir einfach sehen, sagen, lies ein Buch, das ist für manche eine sehr hohe Hürde oder eine große Herausforderung. Das schaffe ich nicht in jeder Lebensphase.
Elisabeth Tophinke: Genau. Das ist manchmal vielleicht das Ziel für den Sommerjahresurlaub, ein Buch zu lesen. Und dann ist das schon ein Erfolg. Ja, wirklich.
Katrin Fuchs: Genau. Und ob ich mich dann mit so sachlichen Themen auseinandersetzen möchte, ist die andere Frage.
Elisabeth Tophinke: Hahahaha
Elisabeth Tophinke: Sehr schön. Jetzt hast du geteilt, dass für dich Gerechtigkeit ein Grundwert ist und eben auch das Thema Gleichberechtigung, gleiche Aufteilung von Care-Arbeit. Das klingt jetzt, als könnte das schon mit die Ursache oder der Zündfunken für Unpaid Care Work gewesen sein. Aber vielleicht magst du mal genauer erzählen, wie kam es dazu, dass es jetzt Unpaid Care Work gibt? Und wie ist das zu so einer großen Bewegung geworden?
Katrin Fuchs: Ja, das ist eigentlich ganz spannend. Es wird oft die Frage gestellt: Was habt ihr euch dabei gedacht? Wie ist das alles entstanden? Also genau die Fragen, die du jetzt stellst. Und ich erzähle dir jetzt einfach die Entstehungsgeschichte. Und zwar war es einfach so, dass die Franziska Büschelberger und ich, wir haben uns über LinkedIn getroffen und kennengelernt und sind dann persönlich kennengelernt, haben uns dann tatsächlich beim Barcamp vom Bundesverband Vereinbarkeit und haben wirklich gemerkt,
Elisabeth Tophinke: Mmh.
Katrin Fuchs: Dass wir beide da auf einer gemeinsamen Welle schwimmen mit unserem Empfinden, mit unseren Themen und genau dieses Gefühl der Ungerechtigkeit, der Nichtanerkennung von Care-Arbeit und all den Effekten, die das hat, ganz unterschiedlicher Auswirkung für uns. Die Franziska ist da auch ganz anders betroffen persönlich als ich und trotzdem ist da eine ganz, ganz große Verbindung dazwischen. Und die Franziska hatte sich daran gestört, dass auf LinkedIn, dieser Job- und Karriereplattform, wo wir alle unsere Lebensläufe bespielen und abbilden, dass da die Care-Arbeit nicht vorkommt.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Katrin Fuchs: Also das wird immer irgendwo so bisschen verpackt oder mit rein vernuschelt. So selten steht da von bis Elternzeit 1 und von bis Elternzeit 2. Und wenn man es macht, also wenn man hingeht und sagt, ich schreibe es wirklich hin, dann gibt es ja keinen Arbeitgeber dafür. Dann hat man dieses graue, hässliche Emblem, was nicht wirklich Wertschätzung rüberbringt, weil sobald ich bei einer Organisation angestellt bin, habe ich oft ein richtig schönes Firmenlogo und dann sieht das gut aus und dann weiß ich auch, was ich für einen Titel mir geben kann und wie ich meine Job Description darstelle, damit sie wirksam ist.
Elisabeth Tophinke: Hm.
Elisabeth Tophinke: Genau.
Katrin Fuchs: Also oft in diesem Bereich fällt es uns so leicht. Und unser anderer Lebensbereich, unsere Familie und all das, was uns ja auch stark prägt und ausmacht, das fällt da irgendwie runter und trotzdem steht darüber Lebenslauf. Und dann hat eben die Franziska die geniale Idee gehabt, na ja, lass uns doch da einfach ein fiktives Unternehmen gründen, Unpaid Care Work, und dann kann man sich da anstellen.
Elisabeth Tophinke: Ja, das stimmt.
Katrin Fuchs: Und dann kann jede Person, die unentgeltliche Arbeit leistet und die gerne im Lebenslauf darstellen möchte, das tun und bekommt da ein hübsches Signet, ein hübsches Logo nebenan. Und das hat sich dann bewusst so, oder es hat sich dann so entwickelt einfach, dass die Menschen das wahrgenommen haben und gesagt haben, ja, ich möchte das. Dann ganz angefangen haben, ganz lustige Jobtitel zu haben. Also dadurch, dass man es in den Unternehmenskontext gesetzt hat und gesagt hat so, das ist ein fiktives Unternehmen, du bist Angestellter, du bist Mitarbeiter bei diesem Unternehmen, haben die Menschen angefangen zu überlegen, okay, wer bin ich denn und was mache ich hier? Und da haben wir dann den CFO, den Chief Family Officer beispielsweise, oder den Risk Manager oder also ganz, ganz lustige Jobtitel.
Elisabeth Tophinke: CEO eines Familienunternehmens, fand ich auch gut.
Katrin Fuchs: Genau, auch das kommt ganz häufig vor. Ja, also das ist ganz interessant. Und das Spannende ist ja eigentlich dieser Denkprozess, der dazwischen liegt. Also dieses sich mal überlegen, wie stelle ich das dar und was möchte ich sein? Und das ist ja dann genau das, was diese Anerkennung bei einem selbst schon oft auslöst. Also in dem Moment, wo ich sage, ich bin CEO, ja, ich habe diese ganze Verantwortung,
Elisabeth Tophinke: Mmh.
Katrin Fuchs: gucke ich ja schon anders auf das, was ich mache. Und das ist auch die Rückmeldung, die relativ schnell kam von den Menschen, dass sie gesagt haben, wow, das ist eigentlich, es ist ja eine kleine Sache, dieses kleine Ding da auf LinkedIn. Aber es macht richtig viel mit mir. Es bewegt mich, es verändert meine Einstellung, mein Blick darauf. Und das ist halt so ein bisschen diese Graswurzelbewegung, von der wir hoffen, dass es so von unten, diese bottom up, dass durch die Anerkennung, die wir uns selbst schenken, die Anerkennung im Außen dann auch besser sichtbar ist und entsteht auch.
Elisabeth Tophinke: Ja, zwei Dinge, die ich daran persönlich toll finde, dass man Kompetenzen mit dem Unternehmen verbinden kann. Es ist ja so, dass wir in LinkedIn die Kompetenzen immer entweder in einem Unternehmen oder in einer Ausbildung zuordnen. Und dann kann man eben sowohl im Weiterbildungsbereich Unpaid Care Work einfügen als auch im Lebenslauf und dann eben sagen, Ambiguität, Toleranz, Stress, Resilienz, Geduld, Entscheidungen in Drucksituationen priorisieren. Diese ganzen über 120 Elternskills, die man in dieser Zeit erwirbt, die könnte man da alle einfügen. Und das macht es natürlich auch sichtbarer. Das finde ich toll. Und das zweite, was ich daran so mag, dass man nicht mehr alleine ist. Weil durch dieses Unpaid Care Work und dieses folgende Leute arbeiten auch in diesem Unternehmen, sieht man ja, wie viele das sind.
Katrin Fuchs: Ja, genau. Ich glaube, es ist ganz viel passiert. Das sind eben die Menschen, die jetzt aufgesprungen sind und die wir sehen, also die jetzt sichtbar werden damit. Und ich höre aber auch von ganz vielen, die sagen, ich bin noch nicht so weit oder ich bin gerade bei einem Arbeitgeber, da würde es nicht schätzen.
Elisabeth Tophinke: Hm.
Katrin Fuchs: Aber sie haben es dennoch, sie haben es im Kopf. Und das ist halt auch schon toll.
Elisabeth Tophinke: Ja, sehr schön. Jetzt haben wir gehört, wie Unpaid Care Work entstanden ist, was der Bewegung dahinter war. Aber es ist jetzt ja mehr oder es ist auch bisschen passiert seit dieser ersten Initialbegründung. Ein LinkedIn-Unternehmen, fiktives. Was genau passiert jetzt noch bei Unpaid Care Work? Was sind die Themen, die ihr bespielt und wo kann man da vielleicht mitmachen oder euch begegnen?
Katrin Fuchs: Also die Plattform, wo wir immer noch am präsentesten sind, das ist LinkedIn, wobei es ist dann auch eine Website entstanden, es ist ein Newsletter entstanden. Es ist natürlich auch ganz, ganz viel Sichtbarkeit entstanden. Franziska war schon mehrfach nominiert. Wir haben den Vereinbarkeits-Jetzt-Award gewonnen. Also es gibt ganz viel Presse und es ist einfach wahnsinnig viel Sichtbarkeit entstanden dadurch. Mitmachen ist immer noch tatsächlich Mitmachen, also sich anstellen beim Unternehmen. Ja, diese Teil des ganzen Seins, das ist das, was wir unter Mitmachen verstehen. Und das ist eben auch nicht gedacht. Es hat sich ja dann spannenderweise letztes Jahr die Lua, die Liga für unbezahlte Arbeit, gegründet, die ja so diese Gewerkschaftsperspektive einnehmen möchte.
Elisabeth Tophinke: Hm.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Katrin Fuchs: Und die sind zum Beispiel anders aufgestellt. Haben richtig politische Forderungen und so weiter. Und die sammeln Spendengelder und so weiter. Also da geht es eher dadurch. Unpaid Care Work ist einfach wirklich dieses Niedrigschwellige. Es gibt nicht die Möglichkeit zu spenden. Es ist einfach dieses Mitmachen, sich zeigen, den Blick verändern darauf, die Anerkennung sich schenken, aber auch einfordern. Wir haben halt auf LinkedIn wirklich immer diese Themen, ja, verschiedene, ob es Mental Load ist, ob es die Erziehung von besonders herausfordernden Kindern sind beispielsweise, ob es die Pflege ist. Also einfach, wir versuchen, dieses ganze Spektrum auch aufzumachen, auch aus dieser, ich sag jetzt mal Mutti-Blase herauszukommen, ja, weil es ist eben kein
Elisabeth Tophinke: Mmh.
Katrin Fuchs: Mutti-Thema. Es ist ein gesellschaftliches Thema für alle. Und das auch immer wieder aufzuzeigen, auch die Aspekte für Väter, die Aspekte für Jüngere, für Ältere. Also wirklich dieses ganze Bild zu beleuchten, was fällt da alles rein und die Betroffenheit auch deutlich zu machen. Also dass eigentlich niemand sagen kann, mich geht das Thema nichts an.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Elisabeth Tophinke: Und es sind ja jetzt auch schon einige, die mit dem Thema sichtbar geworden sind. Ich habe ehrlicherweise keine Idee, wie viele du bestimmt, aber vielleicht kannst du dazu noch was sagen, wie groß ist die Bewegung? Da Männer, Frauen gleichmäßig drin? Das würde mich auch ziemlich interessieren. Einfach noch mehr einschätzen zu können, dass eben auch schon so viele dabei sind und dass es vielleicht deswegen so einen kleinen Schubs nur noch braucht, damit der andere Hörer das selbst auch in seinen Lebenslauf auf LinkedIn einträgt.
Katrin Fuchs: Ja, es sind so 20.000 Follower im Moment.
Elisabeth Tophinke: Mhm.
Katrin Fuchs: Und man kann leider bei LinkedIn die Geschlechtsanalyse nicht sehen. Aber wenn man so Pi mal Daumen drüber guckt, dann würde ich sagen, 80 Prozent weiblich, 20 Prozent männlich. Wobei die Männer, die dabei sind, sehr begeistert und committed sind. Also auch da sehe ich immer wieder so wunderschöne Posts, auch von Männern, die ihre Care-Arbeit
Elisabeth Tophinke: Stimmt.
Elisabeth Tophinke: Hm?
Katrin Fuchs: aufzeigen und das finde ich eben immer besonders stark, weil die Stimme noch so fehlt und deswegen feiere ich dann natürlich jede einzelne, auch die der Frauen selbstverständlich, aber ich glaube einfach bei Frauen ist es schon viel besser angekommen, schon viel tiefer drin.
Elisabeth Tophinke: Ja, sehr schön. Das ist eine ganz wichtige Beobachtung, glaube ich, dass diese Male Allyship und die Stimme, die dann noch ein bisschen sichtbarer wird, dann riesen Unterschied macht. Toll. Also ich bin total froh, dass ihr diese Initiative gegründet habt, dass es Unpaid Care Work gibt, dass dadurch Sichtbarkeit auf den Themen ist, dass Elternkompetenzen sichtbar werden, dass es ein Stück weit auch normaler geworden ist, sich mit dem Thema zu identifizieren und es nicht irgendwie so unter persönlicher Auszeit oder irgendeinem anderen, nicht mit Eltern- oder kindernbehafteten Begriff zu verstecken, sondern wirklich zu sagen, das ist Unpaid Care Work und das hat einen Wert. Ja. Kathrin, wie vereinbarst du selbst denn jetzt das Thema Selbstständigkeit, Angestellten-Tätigkeit, Mutterrolle, zeitaufwändige Ehrenämter, also eben zum Beispiel das Thema Unpaid Care Work, den Buchclub? Was ist dein Anführungszeichen System, dein Trick? Wie händelst du diese vielen verschiedenen Themen? Was können wir da von dir lernen?
Katrin Fuchs: Ich glaube meine zwei Key-Resourcen dabei, die sind Gelassenheit und Freude. Beides war nicht immer so ausgeprägt, wie es jetzt ist, aber es ist jetzt im Moment für mich wirklich mein Kompass. Also Gelassenheit einfach zu wissen, auch mein Tag hat einfach 24 Stunden, ja, Punkt. Und da muss ich auch sehr vorhin gesagt, was ich alles vereinbare, muss all das, was ich vereinbare, stattfinden können und dürfen.
Elisabeth Tophinke: Mhm.
Elisabeth Tophinke: Hmm.
Elisabeth Tophinke: Mhm.
Elisabeth Tophinke: Hm.
Katrin Fuchs: Den eigenen Perfektionismus da in den Griff zu bekommen und auch mit viel Freude dennoch ins Bett gehen zu können, wenn man nicht alles geschafft hat und sich auf den nächsten Tag zu freuen, dass man es da machen kann. Das ist sicherlich das. Es ist wirklich so. Ich habe mir vorgenommen, meinem Leben nur Dinge zu tun, die mir Freude machen. Und es ist wirklich so. Also alles, was ich tue, macht mir unglaubliche Freude. Und dann deswegen fühlt es sich für mich auch nie so belastend an. Also ich mache das einfach in einer guten Stimmung, in einer guten Position und dann es fühlt sich für mich wirklich nicht anstrengend an. Und ich habe natürlich sehr gut gelernt meine Grenzen. Also ich kenne meine Grenzen sehr gut, ich kann sie sehr gut einschätzen. Ich kann auch gut Nein sagen mittlerweile. Und das ist sicherlich auch ganz, ganz wichtig, wenn man
Elisabeth Tophinke: Hmm.
Katrin Fuchs: auf so vielen Spielfeldern seine Männchen stehen hat.
Elisabeth Tophinke: Naja. Ja, und was ich da auch raushöre, wenn du sagst, du achtest darauf, dass du da mit einer Gelassenheit rangehst und dass es dich zufrieden macht, dann bedeutet das ja im Umkehrschluss auch, dass du so was wie einen Reinigungs- und Ausmistprozess hast. Weil irgendwann gibt es ja wahrscheinlich ein Thema, vielleicht auch mal nicht mehr ganz so hohe Gelassenheit bei dir auslöst. Und dann stelle ich mir vor, packst du das an, sortierst es irgendwie aus, delegierst es, holst dir Unterstützung.
Katrin Fuchs: Okay.
Elisabeth Tophinke: Wie machst du das, damit du, wenn du merkst, es verändert sich was, da ja trotzdem weiter in dieser guten Balance bist.
Katrin Fuchs: Mir ist deswegen wirklich der Begriff lebensphasenorientierte Vereinbarkeit auch so wichtig, weil der sagt ja eigentlich schon, dass das Leben sich verändert und dass Dinge sich verändern und dass es nicht sein muss, dass das, was ich heute tue, auch morgen noch das Richtige ist. Und ich glaube, das ist auch eine Haltung, die sehr, sehr hilfreich ist beim Dinge loslassen und bei sich committen für Neues.
Elisabeth Tophinke: Hmm.
Katrin Fuchs: Und das ist so ein ständiger Prozess bei mir, der immer abläuft, also wirklich eben auch vor dem Hintergrund der Freude. Was macht mir noch Freude? Was passt in mein Leben? Wo möchte ich weiterhin mit dabei sein? Was habe ich vielleicht jetzt aber auch gesehen? Was darf jemand anders weitermachen? Und das ist ein Prozess, der läuft bei mir ständig mit. Und das ist genau das, was du sagst, dieses auch aussortieren und aber auch das loslassen können. Ja, weil ich dann weiß, okay, ich habe das jetzt gehabt. Das ist für mich jetzt gut. Nächster Abschnitt.
Elisabeth Tophinke: Ja, das ist eine hohe Kunst, glaube ich. Also sich dann auch gerade von Themen, die einen lange begleitet haben, wieder lösen zu können, was Neues anfangen zu können. Aber es ist schön zu sehen, dass es sich lohnt.
Katrin Fuchs: Ich finde auch, also da möchte ich an der Stelle vielleicht auch den Punkt Privilegien noch mit reinbringen, den ich eben auch sehr, sehr wichtig finde.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Katrin Fuchs: Und das eine, also ich finde es auch sehr wichtig, sehr klar zu haben, welche Privilegien habe ich? Was sind meine Privilegien? Welche habe ich bekommen? Welche habe ich mir auch erarbeitet? Und das ist auch etwas, finde ich, was mir in puncto Gelassenheit extrem hilft. Und beispielsweise diese Vielfalt an Weiterbildung und an Know-how, die ich habe, das ist ein Privileg und das gibt mir auch Gelassenheit. Das finde ich, das wünsche ich mir eigentlich, dass das alle hätten, ja, weil ich merke gerade in diesen Zeiten jetzt, es an vielen Ecken und Enden kritisch ist und kritischer auch wird, dass es sehr belastend sein kann und dass auch das ein großes Privileg ist, wenn man sich da so ein bisschen rausnehmen kann und in der Freude bleiben kann.
Elisabeth Tophinke: Hm, sehr schön. Kleiner Themenwechsel, aber eine Frage, die mich auch nur brennend interessiert ist. Wenn du jetzt, die Aufmerksamkeit für das Thema Unpaid Care Work so groß ist, die Chance hast, Thema auch auf eine größere Bühne zu heben. Also zum Beispiel als Expertin wirklich im Bundesfamilienministerium oder Bundeswirtschaftsministerium, je nachdem, wo man vielleicht besser andocken kann, eingeladen zu werden. Was wären so die Themen, wo du sagst: Das müssen wir echt verändern. Ist das, was ich erreichen möchte. Das sind die Punkte, die ich erwähnen würde.
Katrin Fuchs: Ich will sehen.
Katrin Fuchs: Es gibt viele Einzelmaßnahmen, die ich kritisiere und gerne verändern würde. Ich glaube aber, wirklich in eine gerechtere und gleichberechtigtere Welt zu kommen, wäre die eine Maßnahme, die ganz viel verändern würde, mit der Zeit auf jeden Fall, wenn wir Quoten schaffen würden. Das wäre die Forderung, mit der ich reingehen würde. Und auch da Quote nicht nur in Bezug auf Geschlecht, sondern auf Vielfalt. Quote auch, was Altersunterschiede angeht, Quote auch, was Herkunft angeht, Bildung.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Katrin Fuchs: Also, als wir wirklich versuchen würden, in Entscheidungsgremien, ob politisch oder auch auf anderen Ebenen, einfach mehr Vielfalt zu haben. Und die haben wir einfach nicht in so großen Teilen. Wir sind sehr homogen aufgestellt. Alle kennen die Bilder, die durch die Medien gehen mit vielen Männern in den gleichen Anzügen. Und das zeigt einfach, dass Vielfalt oft nicht vorhanden ist und deswegen Entscheidungen getroffen werden, die nicht allen nützen. Und das wäre mein Wunsch. Quote.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Elisabeth Tophinke: Ja. Mhm. Ja. Kann ich gut nachvollziehen. Ich brauchte ein bisschen zugegebenermaßen, mich mit dem Thema Quote anzufreunden, so am Anfang der Karriere dachte ich noch, ich will das selbst schaffen, aber mittlerweile, mit all dem Wissen um strukturelle Benachteiligungen herum, bin ich, genau wie du, ein sehr großer Fan von Quoten. Ja, weil es einfach ...
Katrin Fuchs: Ich glaube, geht nur so, die Strukturen aufzubrechen und wirklich in die Veränderung zu kommen. Geht es, glaube ich, bei uns nur so. Und ich finde dieses Framing immer, dass einem dann gesagt wird, willst du die Quotenfrau sein? Und jeder natürlich sagt, nein, möchte ich nicht. Das finde ich ein bisschen fies, weil was sind wir alles nicht geworden, weil wir Frauen sind. Also ich stelle die Frage gerne so rum.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Elisabeth Tophinke: Hm.
Elisabeth Tophinke: Naja, es ist fies, es passiert nur leider. Das ist das, was mich daran stört, auch wenn ich das grundsätzlich total gut finde, aber es passiert einfach leider, ob es eine Quote gibt oder nicht. Als Frau in einer Männerwelt, wenn man mit vielen Männern unterwegs ist, steht man immer vorne auf dem Foto. Das Argument ist dann immer, man ist ja so klein. Aber es ist schon so, dass dieses immer so ein Sonderfall sein auch den ein oder anderen Spruch auslöst. Das ist manchmal anstrengend. Über den Buchclub haben wir schon gesprochen. Also ganz viele Themen, mit denen man dich auch erreichen kann. Ich fasse einfach noch mal kurz zusammen. Ich packe mal deine LinkedIn-Kontaktdaten in die Show Notes. Ich packe deinen Newsletter und die Kontaktdaten zum Buchclub, also von deiner Webseite in die Show Notes.
Katrin Fuchs: Ja.
Elisabeth Tophinke: Ich packe die Seite von Unpaid Care Work in die Show Notes. Hier auch nochmal die Motivation, Unpaid Care Work wirklich aktiv als LinkedIn-Ausbildungsstätte oder Unternehmen im eigenen Lebenslauf zuzufügen und damit Teil der Bewegung zu werden. Habe ich noch was vergessen an wichtigen Kontakt- oder Info-Themen, die wir unbedingt den Hörern mitgeben sollten?
Katrin Fuchs: Ich würde sagen, das passt. Das ist ja schon sehr viel.
Elisabeth Tophinke: Sehr gut. Ja, aber deswegen dachte ich, ich fasse es am Ende noch mal zusammen, damit man auch alles irgendwie durcheinander zusammenkriegt und auseinanderhalten kann. Katrin, dann würde ich jetzt am liebsten zum Phrasenverdrescher kommen, dem kleinen Spiel im Podcast, das ich immer so bisschen mache, Perspektivwechsel zu ermöglichen und meine eigene fehlende Schlagfertigkeit auszugleichen. Gibt es denn so Trigger-Phrasen, die du vielleicht schon mal gehört hast oder die dir zugetragen werden, wo du sagst, da können wir heute mal drüber reden, warum die Leute sowas sagen und was man stattdessen antworten könnte.
Katrin Fuchs: Also was mich wirklich triggert zunehmend, das ist dieses Wörtchen nur. Ich arbeite nur Teilzeit oder ich bin nur zu Hause. Ich kümmere mich nur meine Kinder. Das schließt so viel aus und das macht uns so klein. Und das bringt eben diese beiden Arbeitswelten, Care-Arbeit und Erwerbsarbeit auseinander statt zusammen.
Elisabeth Tophinke: Hm.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Elisabeth Tophinke: Mmh.
Elisabeth Tophinke: Das stimmt. Wichtige Beobachtung.
Katrin Fuchs: Ja, und das ist wirklich, wenn ich, ich starte so ganz oft den Workshops, indem ich frage, wie viel arbeitet ihr? Und dann kommt genau die Antwort. Ich arbeite nur 70 Prozent, ich arbeite nur 50 Prozent und das ist ein super Gesprächseinstieg.
Elisabeth Tophinke: Mmh.
Elisabeth Tophinke: Genau, weil die Antwort ist dann sofort, du arbeitest also 170 Prozent. Denn du hast ja schon einen Vollzeitjob, nämlich Care-Arbeit. Und dazu kommt dann ein Erwerbsjob.
Katrin Fuchs: Ich frage dann immer ganz ketzerisch und sage: okay und den Rest der Zeit liegst du im Garten und trinkst Latte Macchiato oder was ist der Rest? Ja, und dann wird es klar, was ich meine.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Elisabeth Tophinke: Ja, stimmt. Hast du so eine Repartee, die du dann immer erwiderst? Oder ist dann deine normale Antwort die Rückfrage? Wie gehst du damit Leute ins Nachdenken zu bringen, wenn sie so was sagen?
Katrin Fuchs: Ja, tatsächlich so. Also, dass ich dann halt mit der etwas frechen Annahme reagiere, dass der Rest der Zeit zur freien Verfügung ist. Und es ist ja genau dieses Narrativ der Lifestyle-Teilzeit im Endeffekt, was wir ja gerade so aktuell diskutieren und wo dann wirklich ja jeder sofort merkt, nein, nicht nur, das ist mehr als das.
Elisabeth Tophinke: Hm.
Katrin Fuchs: Wir sind so konditioniert auf diesen Teil der Erwerbsarbeit.
Elisabeth Tophinke: Ja, das stimmt. Das ist eine gute Rückmeldung. Ich habe mich gefragt, ob wir auch diesen Begriff Erwerbsarbeit überhaupt mal einführen müssen, wenn jemand sowas sagt, wie ich arbeite nur Teilzeit. Du arbeitest also 25 Stunden Erwerbsarbeit. Und was machst du noch? Also überhaupt diese Tür aufzumachen, aber das hast du ja auch so ähnlich gemacht.
Katrin Fuchs: Genau.
Katrin Fuchs: Nope.
Elisabeth Tophinke: Ja, aber ich glaube, die Frage, da fällt mir überhaupt nichts besseres ein. Das ist genau der Türöffner, den es braucht, diesen Perspektivwechsel zu ermöglichen. Und wir könnten uns hier alle einfach vornehmen, dieses Nur zu streichen in unserem Wortschatz. Und das mit mehr, mit breiteren Schultern zu sagen. Ich arbeite 30 Stunden, 20 Stunden Erwerbsarbeit und übrigens auch noch so und so viele Stunden Care-Arbeit.
Katrin Fuchs: Genau.
Katrin Fuchs: Genau. Und es macht uns eben so viel mehr aus als die Erwerbsarbeit.
Elisabeth Tophinke: Noch eine andere Trigger-Phrase, die dich beschäftigt.
Katrin Fuchs: Also was mich auch tatsächlich viele Jahre beschäftigt gehalten hat, das war dieser Gedanke dieses You can have it all und dieses Buch Lean In von Sheryl Sandberg. Du weißt, was ich meine.
Elisabeth Tophinke: Hm.
Elisabeth Tophinke: Ja, das ... Ich weiß, was du meinst. Ja.
Elisabeth Tophinke: Hm.
Elisabeth Tophinke: Ich kann das sehr nachvollziehen. Ich habe mit Lean In nämlich auch so eine Geschichte hinter mir. Das war mit das erste Buch, das ich gelesen habe, noch im Studium kurz vorm Berufseinstieg. Was es bei mir ausgelöst hat, war halt genau dieses, okay, jetzt streng ich mich noch mehr an, gebe noch mehr Gas. Ich muss also besser, schneller. Habe ich eine Zeit lang gemacht, war jetzt schon ziemlich anstrengend. Kann ich, glaube ich, so zusammenfassend sagen.
Katrin Fuchs: Mh.
Katrin Fuchs: Vielen Dank.
Elisabeth Tophinke: Historisches Dokument der Zeit, eben damals noch überhaupt nicht so weit war. Das ist ja jetzt auch schon wieder von 2012 oder so ist das Buch. Es ist schon, es ist schon wieder ein bisschen her und damals war das revolutionär überhaupt so was zu schreiben und diesen Anstoß zu geben für im Grunde eine Bewegung.
Katrin Fuchs: Das war's. Es blendet halt vor allem tatsächlich diese strukturellen Rahmenbedingungen sehr aus. Das ist es.
Elisabeth Tophinke: bisschen abgeschreckt hat.
Elisabeth Tophinke: Genau.
Katrin Fuchs: Also nicht alle haben die Voraussetzungen. Bei mir hat es halt damals gepasst. Zwölf kam das Buch, 13 mein Sohn. Also ich war voll in dieser Zeit. Heute würde ich es wahrscheinlich auch anders lesen.
Elisabeth Tophinke: Ja. Und guck, dann hast du es in einer anderen Zeit gelesen als ich. Ich in dieser Zeit Studienabschluss. Also ich hab das schon sehr ernst genommen. Ja, also vielleicht hätte ich es auch später lesen sollen. Es ist halt immer bisschen so eine Sache. Ja. Aber was sagen wir dann? Also wenn jemand sagt, wie machst du das? Wie schaffst du das alles? Oder wenn jemand sowas in die Richtung sagt, mach doch einfach oder es liegt an dir.
Katrin Fuchs: Keine Ahnung, okay.
Elisabeth Tophinke: Pack's doch einfach an oder sowas. Das schlägt ja alles in diese Kerbe. Wenn du dich nur anstrengst, klappt das.
Katrin Fuchs: Genau. Und ich glaube, ist so einfach, also ich liebe sehr dieses Konzept des atmenden Lebenslaufes. Ja, also eben zu wissen, es muss nicht alles jetzt stattfinden. Mein Leben, das erstreckt sich über eine längere Zeit. Da kann ich spielen mit den unterschiedlichen Herausforderungen und Anforderungen. Ich muss nicht alles jetzt lösen und jetzt erreichen. Ich darf das ein bisschen verteilen. Das ist vielleicht so das, was man sich selbst erlauben darf an der Stelle.
Elisabeth Tophinke: Hm.
Katrin Fuchs: Und sich halt auch zu überlegen, was ist denn mein All? Brauche ich das alles? Ja, weil dieses You can have it all ist unten, das ist ja so riesig. Und sich zu überlegen, was ist es denn für mich?
Elisabeth Tophinke: Reflexartig sage ich häufig, wenn mich jemand fragt, wie kriegst du das alles hin? Was ja auch dieses, man kann alles haben, so im Bauch hat häufig sowas wie: Ja, aber ich habe ja auch ein Unterstützungsnetzwerk und ich schaffe auch nicht alles. Und da fällt auch ganz viel runter und ich entscheide mich ständig. Aber es kommt mir immer noch irgendwie nicht wie die beste Antwort vor, weil ich dann in so eine Verteidigungs- und beschwichtigende Haltung gehe und eigentlich bin ich ja auch stolz drauf, so ein Stück weit zumindest, dass ich
Katrin Fuchs: und ein bisschen.
Katrin Fuchs: Wahrscheinlich ist die sinnvollste Antwort zu fragen, kann man denn alles überhaupt haben? Genau.
Elisabeth Tophinke: Und das ist alles.
Elisabeth Tophinke: Also eine Rückfrage: Kann man alles eigentlich haben? Was bedeutet alles für dich? Und ist das alles gleichzeitig? Mir geht das ganz häufig zum Beispiel einfach mit Veranstaltungen so. Ich würde so gerne noch viel mehr Vorträge hören, auf Netzwerkveranstaltungen gehen und so weiter. Und ich trag mir die am Anfang des Jahres immer in den Kalender ein und denke, tolle Sachen, da kannst du so viel erleben, da kannst du dich so weiterbilden und ins Netzwerk stürzen. Und dann denke ich mir, okay, meine Regel ist, ich bin maximal zwei Abende weg. Also, wie krieg ich das dann hin, dass ich noch Leben plus eben zwei schöne Netzwerke und Weiterbildung und so habe? Ja.
Katrin Fuchs: Mir hilft es zum Beispiel, ich mache es seit ein paar Jahren immer so, dass ich versuche mein Jahr ein bisschen unter ein Ziel zu stellen. Also für mich dieses Jahr zum Beispiel ist für mich das Jahr der Gesundheit. Ich priorisiere meine Gesundheit dieses Jahr. Ich hatte Jahre, die standen unter der Priorität der Weiterbildung oder des Aufbaus der Selbstständigkeit.
Elisabeth Tophinke: Mmh.
Elisabeth Tophinke: Hm.
Katrin Fuchs: Einfach zu sagen, okay, was ist mein Prioritthema in diesem Jahr? Was möchte ich in diesem Jahr erreichen? Und es sich aber auch immer wieder neu zu überlegen. Das muss ja nächstes Jahr nicht das Gleiche sein wie dieses Jahr. Das heißt auch nicht, dass ich dem alles unterordne. Aber es hilft mir halt beim Priorisieren. Wenn ich entscheiden muss, gehe ich auf die Veranstaltung oder gehe ich jetzt in den Wald laufen, dann ist es für mich dieses Jahr leichter. Ich sage, ist doch mein Jahr der Gesundheit. Ich gehe doch jetzt in den Wald laufen. Das ist für mich meine Entscheidung und so mache ich das für mich ein bisschen.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Elisabeth Tophinke: Mmh.
Elisabeth Tophinke: Ja, guter Tipp. Ich hab am Anfang des Jahres in einer Folge vorgestellt, wie ich meine Jahresziele plane. Da mach ich im Grunde für alle Lebensbereiche Ziele und suche mir dann auch drei raus. Aber eins ist einfacher, ehrlicherweise, wenn man ein Thema hat. Das hilft in der Entscheidungssituation, wenn sich gerade die verschiedenen Ziele im Leben doch irgendwie in die Quere kommen.
Katrin Fuchs: Ich habe zum Beispiel dieses Jahr auch, ich mache eine Weiterbildung und die geht auch in den Bereich Gesundheit. Also das gibt dann, weil auch da, geht es mir auch, ich könnte ja jedes Wochenende irgendwo auf eine Weiterbildung gehen oder ich habe solche Lust auf Themen und, aber ja, man muss sich ein bisschen fokussieren und mir hilft das so, das ist mein Weg.
Elisabeth Tophinke: Mmh.
Elisabeth Tophinke: Ja ja genau.
Elisabeth Tophinke: Ja. Hm, guter Tipp. Hörst du in Bezug auf Unpaid Care Work und dieses Sichtbarmachen im Lebenslauf auch so Phrasen wie, das kann ich doch nicht machen, wie kommt das nur an? Gehört das denn irgendwas in diese Richtung?
Katrin Fuchs: Ja, ja, ich finde diese Frage, gehört sich das denn? Das ist noch gar nicht die, die ich am kritischsten oder am ernsteste nehme. Weil das ist so ein bisschen, das hat ja ganz viel mit mir selbst zu tun, was ich glaube, was sich gehört. Also das ist das subjektive Empfinden dieser Person. Was ich eigentlich viel schlimmer finde oder was mir viel mehr Gedanken macht, ist dieses, ich kann das nicht machen. Weil ja, weil mein Arbeitgeber, wenn der das sieht, dann weiß ich nicht, was passiert. Also diese fehlende Sicherheit zum Beispiel an dieser Stelle, also dass die Menschen sich nicht trauen, in die Sichtbarkeit zu gehen.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Katrin Fuchs: Das kann man natürlich auch genauer hinschauen und schauen, ist es wirklich so? Aber ich glaube allein, dass da das Gefühl besteht, man kann das nicht machen oder es würde sich ein Nachteil daraus ergeben, wenn man es tut. Das ist eigentlich das, was mich wirklich bewegt und wo ich wirklich denke, da ist halt schon noch ein weiter Weg zu gehen.
Elisabeth Tophinke: Kanal.
Elisabeth Tophinke: Mhm. Ja.
Katrin Fuchs: Das wäre ja das Ziel, dass es wirklich jeder richtig frei selbst entscheiden kann. Möchte ich das oder möchte ich das nicht? Und das ist halt schon so. Ich meine, da, ich werde oft gefragt und sage, empfiehlst du es denn, in den Lebenslauf reinzuschreiben? Und ich habe die letzten Jahre auch viel Laufbahn- und Karrierecoaching gemacht. Und ich muss ganz ehrlich sagen, nein, ich empfehle es nicht jedem. Es gibt Stellen und Positionen und Kontexte, wo es definitiv nicht ratsam ist, es in den Lebenslauf zu packen. Das finde ich ganz schlimm, aber es ändert ja nichts.
Elisabeth Tophinke: Ja, genau, du wirst sonst häufig in der ersten Stufe aussortiert und dieses Thema dann anzusprechen ist natürlich total wichtig, aber dafür musst du ins Bewerbungsgespräch kommen. Und wenn du vorher aussortiert wirst, weil die Bewerbung von jemandem geprüft und eben entschieden wird, der dem Thema nicht so aufgeschlossen gegenüber steht, der damit Vorurteile verbindet, dann ist das ein Nachteil. Da gibt es leider ja auch Studien dazu.
Katrin Fuchs: Ja, und wenn.
Katrin Fuchs: Ja.
Elisabeth Tophinke: Dass dieser Maternal Bias, wenn auch nur der Anschein erweckt wird, dass jemand Kinder haben könnte, dass das dazu führt, dass Bewerbungen stärker aussortiert werden.
Katrin Fuchs: Mhm. Und da sind wir wieder beim Privileg. Also wenn ich es mir leisten kann, weil ich entweder so gut bin oder so frei und so unabhängig, dass ich sage, ich schreibe das rein in meinen Lebenslauf und jeder Arbeitgeber, der das als Makel sieht, der kann mir gestohlen bleiben, da möchte ich überhaupt nicht hin. Das ist ja eine tolle Haltung.
Elisabeth Tophinke: Aber eben auch eine privilegierte Haltung, die sich nur jemand leisten kann, der viele Chancen hat.
Katrin Fuchs: Eine privilegierte Haltung, genau. Wenn ich dringenden Job suche und bin schon bei der hundertsten Bewerbung angekommen und bekomme nur Absagen und Rückmeldungen, die nicht positiv sind, dann denke ich anders. Und ich finde auch, das müssen wir mitdenken und akzeptieren und halt einfach daran arbeiten, dass sich das ändert in Zukunft. Aber es hilft nichts, da jetzt stur zu sein und zu sagen, doch, doch, das müsst ihr alle machen. Die Lebensrealität ist oft eine andere.
Elisabeth Tophinke: Ja.
Elisabeth Tophinke: Ja ja.
Elisabeth Tophinke: Dann ist eine Rückmeldung auf so eine Frage, wenn jemand sagt, kann ich das machen? Im Grunde dieses, das kann nur jeder selbst bewerten, es gibt Pro und Contra. Am Ende ist es eine Entscheidung.
Katrin Fuchs: Genau, genau. Also das ist ein Angebot, was jetzt da ist, auch mit Unpaid Care Work und ich finde es total legitim, dass sich jede Person auch überlegt, wie stehe ich dazu, möchte ich es annehmen, wann möchte ich es annehmen.
Elisabeth Tophinke: Hm. Ja. Nee, ist auch noch mal schön, diesen Aspekt da zu hören für alle, die da vielleicht in dieser Situation sind, Unpaid Care Work zu folgen oder es gut zu finden. Sich aber da einfach nicht ran trauen, ist viel Verständnis für da und auch viel Berechtigung. Ja.
Katrin Fuchs: Ja, vielleicht auch einfach mal zugucken. Man muss sich ja nicht gleich zeigen. Es kann ja auch erst mal übers Zuschauen und Beobachten gehen. Und dann merke ich vielleicht irgendwann, dass sich bei mir was verändert hat. Aber das ist ein Prozess.
Elisabeth Tophinke: Ja, und Zuschauen geht auf LinkedIn ja richtig gut. Also, ich weiß nicht.
Katrin Fuchs: Genau. Oder einfach den Newsletter abonnieren. Es gibt da ganz viele Möglichkeiten, dabei zu sein, ohne sich zu exponieren.
Elisabeth Tophinke: Ja, super. Haben wir doch sogar drei Phrasen verdroschen, Kathrin. Richtig gut. Jetzt komme ich gerne zum Teil Empfehlungen.
Katrin Fuchs: Also ich empfehle natürlich meinen kuratierten Buchclub. Ich habe vielleicht auch interessant dazu, ich habe auch einen Blog, wo ich immer nach jeder Veranstaltung auch einen Beitrag schreibe.
Elisabeth Tophinke: Hmm.
Katrin Fuchs: Über die Veranstaltung und über das Buch. Also da hat sich mittlerweile auch eine sehr schöne kleine Bibliothek ist da entstanden, wo wirklich viele meiner persönlichen Buchtipps auch drin sind.
Katrin Fuchs: Wenn mich jemand fragt und sagt, womit soll ich starten? Was ist das erste Buch, was ich lesen soll, da ein bisschen in das Thema reinzukommen? Da empfehle ich immer von der Theresa Bücker „Alle Zeit“. Weil das ist für mich die Grundlage.
Katrin Fuchs: Alles andere baut nachher darauf auf. Dieses Thema Zeitgerechtigkeit, das ist die Grundlage für ganz, ganz viele Entscheidungen.
Katrin Fuchs: Also wer sich für das interessiert, kann einfach in den Buchclub reinspringen, gucken, was da passiert.
Katrin Fuchs: Es ist unverbindlich. Man muss nicht teilnehmen, kann auch einfach nur den Blog lesen. Aber da kommt schon ganz viel Inspiration mit.
Katrin Fuchs: Podcasts gibt es natürlich auch viele – politisch, feministisch – da ist die Auswahl riesig.
Elisabeth Tophinke: Sehr schön.
Elisabeth Tophinke: Hast du eine Idee, wie viele da gerade schon besprochen sind?
Katrin Fuchs: Ich sag jetzt mal so aus dem Bauch sind es wahrscheinlich 15.
Elisabeth Tophinke: Das ist ja schon mal eine ordentliche Leseliste.
Katrin Fuchs: Ganz viele unterschiedliche Sachen drin. Auf Kosten der Mütter, Mythos Mutterinstinkt, Machtgebiete, Elternzeit in Organisationen.
Katrin Fuchs: Da versuche ich eine schöne Mischung anzubieten aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.
Elisabeth Tophinke: Ja, toll.
Katrin Fuchs: Das Tolle ist auch, dass fast immer die Autorinnen dabei sind und man direkt Fragen stellen kann.
Elisabeth Tophinke: Ja, richtig gut.
Elisabeth Tophinke: Vielen Dank für die vielen Impulse, Katrin.
Katrin Fuchs: Sehr gerne. Ich bin froh, dass ich heute hier sein kann.
Elisabeth Tophinke: Dann, liebe Hörer, wünsche ich euch noch eine schöne Zeit bis zur nächsten Episode. Empfehlt den Podcast gerne weiter. Bis zur nächsten Folge. Tschüss!